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Wie sich die Demokratie abschafft

Es war wohl Karl Popper, der die theoretische Grundlage der wehrhaften Demokratie legte. Sein Toleranzparadoxon besagt, salopp gesprochen, dass die Demokratie nicht gehalten ist, ihre eigene Abschaffung zu tolerieren. Es gibt also Grenzen der verfassungsmäßigen Freiheiten der Rede, der Versammlung, der Organisation, der presse und so weiter.

Das ist uns in Deutschland geläufiger als etwa in den USA oder Großbritannien, wo das KPD-Verbot, die Berufsverbote, das Publikationsverbot für „Mein Kampf“ und das Verbot der Holocaustleugnung eher mit Kopfschütteln betrachtet werden.

Man kann die Sache sozusagen absolut diskutieren. Man kann aber auch das Poppersche Toleranzparadoxon akzeptieren und dann die relativistische Frage stellen, wie weit die Einschränkung der Freiheit im Interesse der Freiheit gehen darf.

Im Krieg zum Beispiel wird die Pressezensur zum Schutz der nationalen Sicherheit von ansonsten liberal denkenden Menschen akzeptiert. Einige der oben angeführten Einschränkungen der Freiheit in der Bundesrepublik wurden denn auch mit kriegsähnlichen Situationen begründet: Das KPD-Verbot und die Berufsverbote insbesondere wurden damit begründet, dass Deutschland an der Front des kalten Kriegs stand und dass die KPD eine fünfte Kolonne Moskaus bilde; linksradikale Lehrer würden ebenfalls die Wehrhaftigkeit der Demokratie gefährden, und ein subversiver Lokführer (damals waren Eisenbahner Beamte)  könne im entscheidenden Augenblick die Sicherheit strategischer Bahngleise gefährden. Das Verbot von „Mein Kampf“ wiederum verdankt sich dem Glauben an die Verführungskraft dieses langweiligen Buchs und die Verführbarkeit der Deutschen und ist insofern eine Kriegsfolge. Auch das Verbot der Holocaustleugnung wird mit dem Krieg begründet: im Land der Täter sei die Holocaustleugnung unerträglich.
Meines Erachtens waren diese Begründungen nie stichhaltig. Die KPD war gewiss gewillt, Moskaus Pläne zu unterstützen, aber in der zunehmend antikommunistischen Stimmung der 1950er Jahre stellte sie keine Gefahr dar. Die Berufsverbote, die vor genau vierzig Jahren beschlossen wurden, waren eine hysterische Reaktion auf die Studentenbewegung. Sie berücksichtigten nicht, dass die Erfahrung mit der Schulwirklichkeit und die sanfte Verführung eines Beamtenpostens relativ schnell befriedend wirken, während die flächendeckende Verdächtigung einer ganzen Beamtengeneration durch die „Regelanfrage“ beim Verfassungsschutz selbst die in Opposition zum Staat trieb, deren „Vergehen“ darin bestand, auf Demos gewesen zu sein, wo Sympathie für den Vietcong oder die „politischen Gefangenen der RAF“ geäußert wurde. Schlimmer als die Anwesenheit linker Lehrer an  den Schulen war die Tatsache, dass viele dieser Lehrer ihre Anwesenheit einer Lüge verdankten. Sie hatten sich geduckt, um Beamte zu werden, und sie blieben geduckt. Das Verbot von „Mein Kampf“ festigt nur den Mythos des Buchs, ohne dass es wirksam wäre. Wer es will, hat sich das Buch längst aus den Beständen der Großeltern besorgt, die es zur Hochzeit geschenkt bekamen, oder lädt es aus dem netz herunter. Schließlich ist die Leugnung des Holocausts in der Tat moralisch unerträglich, politisch aber ungefährlich. Auch hier stiftet das Verbot mehr Schaden, als es verhindert.
Im Zweifel, scheint mir, sollte man sich für die Freiheit entscheiden.
Lange galt der McCarthyismus als Muster dafür, wie sich innerhalb einer Demokratie Angst und Konformismus breit machen können, wie aus der legitimen Jagd auf Spione und Verräter eine Unkultur des Verdächtigung und Verfolgung entstehen kann. Da McCarthy ein rabiater Antikommunist war, dem jeder Linker oder Sozialdemokrat schon verdächtig war, ging man lange davon aus, die Gefährdung der Demokratie durch Übereifer im Dienst der Demokratie werde typischerweise aus der rechten Ecke kommen. Seit einiger Zeit nun wird versucht, die „politische Korrektheit“ als linke Variante dieser Gedankenkontrolle im Namen der Demokratie hinzustellen. Ich bin geneigt, Sprachregelungen, Quoten und dergleichen, die dem Schutz und der Förderung von Minderheiten zu dienen, für richtig zu halten. Es gibt in diesem Bereich allerdings Albernheiten wie die „Bibel in gerechter Sprache“, die nur verschleiert, wie frauenfeindlich, gewalttätig und moralisch fragwürdig die Bibel ist. Es gibt individuelle Ungerechtigkeiten, etwa wenn im Zuge der Frauenquote einigen Männern der Aufstieg erschwert wird. Und es gibt zuweilen im akademischen Bereich regelrechte Hexenjagden auf vermeintlich politisch inkorrekte Menschen. Von einem solchen Irrsinn an einem amerikanischen College erzählt etwa Philip Roths tragikomischer Roman „Der menschliche Makel“.
Freilich finde ich den Angriff auf die politische Korrektheit gefährlicher. Mit Floskeln wie „Man wird doch noch sagen dürfen, dass….“ wird in der Regel eine rassistische, frauenfeindliche, homophobe oder islamophobe Gemeinheit eingeleitet. Nicht zufällig hei´t eine der übelsten xenophoben Webseiten in Deutschland „Politically Incorrect“. Doch in der Tat darf man in Deutschland nach wie vor Dinge sagen wie: Die dummen Leute kriegen zu viele Kinder, dazu gehören vor allem die Ausländer, und wegen dieser höheren Geburtenrate der minderwertigen Menschen wird sich Deutschland im Laufe von einigen Generationen abschaffen. Und man soll das auch sagen dürfen. Thilo Sarrazin durfte das schreiben und veröffentlichen, es wurde in der „Bild“ und im „Spiegel“ vorab gedruckt, es war Stapelware in allen Buchhandlungen. Nicht einmal aus der SPD konnte Sarrazin geschmissen werden. Folgt man aber den Kritikern der politischen Korrektheit, wurde Sarrazin zum Opfer eines linken Gutmenschentums, das die Augen vor der Wirklichkeit verschließt und vor dem Islam kapituliert, einer linken Blockwartmentalität, einer von der Regierung beförderten Gleichschaltungskampagne, die seit den Tagen Goebbels’ und der Reichsschrifttumskammer ihresgleichen sucht. Das ist nicht nur hysterischer Unsinn, es ist gefährlicher Unsinn. Wenn Thilo Sarrazin das Recht hat, sozialdarwinistischen Quatsch zu reden, haben seine Kritiker natürlich das Recht, ihn dafür in die Mangel zu nehmen. Wenn zu seinen Kritikern Regierungsmitglieder gehören, dürfen sie das auch sagen. Dass aus dem Brandstifter so ein Biedermann, aus der Feuerwehr eine Gestapo gemacht wurde, stimmt bedenklich.
Dies umso mehr, als viele der Leute, die Sarrazin im Namen der Demokratie verteidigt haben, im Namen der Demokratie einer Blockwartmentalität – oder vielleicht sollte man sagen: einem neuen McCarthyismus – in Bezug auf den Islam das Wort reden. Für Geert Wilders etwa ist der Koran eine Schrift, die mit „Mein Kampf“ vergleichbar ist und eigentlich verboten gehört. Ich bin dafür, dass er das sagen darf und habe begrüßt, dass dieses Recht vom höchsten niederländischen Gericht bestätigt wurde. Aber natürlich bin ich dagegen, dass der Koran verboten wird. Erst recht lehne ich ab, was Wilders als Konsequenz aus seiner Einschätzung zieht: Muslime könnten nur in Europa bleiben, wenn sie sich vom Koran distanzierten. Das wird nicht passieren, also geht Wilders davon aus, dass einige Millionen zu deportieren sind. Ich halte Wilders für einen überzeugten Demokraten, so wie ich überzeugt bin, dass Joseph McCarthy ein überzeugter Demokrat war. Aber das macht es nicht besser. Wenn Menschen verfolgt werden, weil sie sich nicht von einem Buch distanzieren; wenn das Kriterium eines guten Staatsbürgers nicht ist, dass er sich an die Gesetze hält, sondern dass er auch rechtgläubig ist und sich vom falschen Glauben distanziert, wenn also die Gedankenpolizei an Stelle der normalen Polizei tritt, schafft sich die Demokratie ab. McCarthy unterschied nicht zwischen Kommunismus und Sozialismus. Die Sozialisten waren im Grunde versteckte Kommunisten oder Sympathisanten der Kommunisten oder nützliche Idioten der Kommunisten. Ähnlich unterscheiden Wilders und Co. nicht zwischen Muslimen und Islamisten.
Diesem McCarthyismus zur Seite gesellt sich die Ausweitung des Verbots der Holocaustleugnung, um alle Genozide zu umfassen, wie es nun das französische Parlament beschlossen hat. Das Gesetz bestimmt, dass „die öffentliche Preisung, Leugnung oder grobe Banalisierung von Genoziden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen“ mit einem Jahr Haft und 45000 Euro Buße geahndet werden kann. Was wiederum als Genozid zu gelten hat, bestimmt das französische Parlament. Augenblicklich konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf den Völkermord an den Armeniern, ein gut dokumentiertes Verbrechen, für das in der Türkei selbst bereits 1919 mehrere Täter zum Tode verurteilt wurden. Aber das Gesetz ist so allgemein, dass es fast beliebig ausgeweitet werden kann. Man muss sich vorstellen, ein Mann müsse sich vor einem Gericht wegen der Beteiligung an einem Genozid, sagen wir in Guatemala, verantworten. Sein französischer Anwalt schlägt die Verteidigungslinie ein, die Handlungen der guatemaltekischen Regierung seien kein Genozid gewesen. „Grobe Banalisierung“? Bald könnte sich der Anwalt selbst vor Gericht wiederfinden. Wie lange wird es dauern, bis man nicht mehr straflos behaupten darf (und hier ist das Wort vom Dürfen und Nichtdürfen angebracht), die Handlungen der Serben im Kosovo oder in Bosnien stellten keinen Völkermord oder Versuch eines Völkermords dar? Peter Handke vors Gericht! Und was ist mit dem Sklavenhandel? Ist Randy Newmans „Sail Away“ nicht eine „grobe Banalisierung“ dieses Genozids? Ins Gefängnis mit ihm! Wie ist es mit dem Genozid an den Ureinwohnern Nord- und Südamerikas? Sollten die Vertreiber und Bewunderer der Filme von John Wayne sich nicht wegen „grober Banalisierung“ dieses Verbrechens vor Gericht verantworten müssen? Und was ist mit dem Kolonialismus überhaupt? Wie kann man das „Dschungelbuch“, dieses Machwerk aus der Feder des Kolonialismus-Rechtfertigers Rudyard Kipling („Die Bürde des Weißen Mannes“) in öffentlichen Büchereien vorrätig halten, wo es Kinderhirne verseuchen kann, die Filmversion als DVD ausleihen? Bibliothekare und Videothekenbesitzer hinter Gittern! Was ist mit dem Holodor in der Ukraine? Der Politik Chinas in Tibet? War vielleicht der Bombenkrieg der Alliierten gegen Deutschland und Japan ein Genozid? Steht demnächst ein Historiker, der diese Angriffe „preist“ oder „grob banalisiert“, indem er sagt, sie hätten zum Sieg gegen Hitler und Hirohito beigetragen, vor einem französischen Gericht?
Konservative Feinde der Türkei und des Islam, die politisch korrekte „Islamversteher“ mit dem Gesetz ärgern wollen, dürften bald entdecken, dass es in den Händen der politisch Hyperkorrekten zu einer Waffe gegen sie selbst mutiert.
Die Freiheit stirbt stückweise, heißt es. Man müsse den Anfängen wehren. Das stimmt nach wie vor. Und es stimmt erst recht, wenn diejenigen, die die Demokratie abschaffen, das beste Gewissen der Welt haben und glauben, die Demokratie gegen ihre Feinde zu verteidigen.

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115 Gedanken zu “Wie sich die Demokratie abschafft;”

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    Popper: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.

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    Sehr guter Text!

    Sir Karl Popper über Jörg Haider:
    „Haiders Ideal ist der Hitler.
    Er würde gerne tun, was Hitler getan hat…
    Er sagt es deutlich genug, daß man es heraushören kann.
    Für die, die es hören wollen, sagt er’s.“

    Schönste Grüße,
    Klaus Kufner

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    @Lyoner

    Im Gegensatz zu Ihnen befinde ich mich nicht im Boxring, und daher geht es mir auch nicht um Trefferquoten.

    Das Sloterdijk ein Ökonom ist habe ich m.E. nicht behauptet.

    Nur auch wenn er sich auf das Glatteis der Ökonomie wagt, dann braucht er sich nicht zu wundern, dass er ganz banal auf die “ Schnauze “ fliegt.
    Nicht mehr oder weniger war meine Aussage.
    Damit will ich es dabei belassen.

    Was Ihre Buchempfehlungen betrifft, das kann ich Ihnen nur sagen, Sloterdijk steht bei mir im Bücherregal versehen im sehr vielen Eselsohren, Unterstreichungen, Fragezeichen und Ausrufezeichen.

    Die nächsten Anschaffungen werde ich allerdings nur noch über das neue Antiquariat , abebooks etc machen. weil es aus meiner ökonomischen Perspektive eine Fehlallokation der Ressourcen wäre und ich wie in vielen anderen Dinge des Lebens nicht im Lemmingezug mitreisen und möglichst frühzeitig aus dem hog-cycle aussteigen.

    Ganz banal, wenn der Taxifahrer mir auf dem weg zum Flughafen Frankfurt mir sagt, welche Aktien ich kaufen soll, dann ist es dringend Zeit bei der Börse auszusteigen, analog wäre es ebenso wenn ein neuer
    “ Bestseller “ von Sloterdijk auf dem Markt kommt.

    Und wenn ich von Sloterdijk höre und lese, dass für ihn die Ashram-Erfahrungen prägend gewesen sind, dann ich ich aus meinen “ Klostererfahrungen “ nur sagen, (selbst wenn sie bei mir nur sehr kurzfristig waren, “ Much ado about nothing “
    Ein tolle Marketing-Strategie, um uns wieder einmal an die “ Werte des Lebens “ heranzuführen.
    Was immer das auch sein mag…

    Früher gingen die Unternehmer zur Wahrsagerin, heute zum Coach oder wenn man es sich leisten kann zum Hofphilosophen, sei es Precht, Sloterdijk oder andere.

    Sloterdijk macht es richtig: Eine excellentes Marketing in allen Bereichen der Gesellschaft.

    Ich frage mich schon von Zeit zu Zeit, warum diese
    “ Rattenfänger “ soviel Erfolg haben?.
    Trauen wir uns selber nichts mehr zu?

    Übernehmen wir nicht mehr eigenständig die Verantwortung für unser Handeln?

    Sind wir der Auffassung, dass Sloterdijk, Precht und Sarrazin d i e Lösungen für unsere gesellschaftliche Probleme haben?

    Mein Kollege JLL hat hier im thread (oder in einem anderen?) ein paar Zitate von Sarrazin eingestellt.
    Irgendwie wird er mir dadurch sehr menschlich, sprich er steigt von seinem Elfenbeinturm herunter.

    Warum glauben wir “ Durchschnittsbürger “ eigentlich ,dass die “ Elite “ per se die Weisheit mit Löffeln gefressen hat??

    Wenn ich hier Ihre Satz lese:

    „er ist jedoch soweit ich weiß, der erste Philosoph, der die Heideggersche Analyse des Gestells erweitert auf eine Ontologie der herrschenden kapitalistischen Ökonomie.“

    hilft uns diese Erkenntnis weiter bei der Bewältigung unserer Alltagsprobleme oder in Bezug auf die Finanzkrise?

    Vielleicht bin ich nicht „intellektuell “ genug, um selber diese Fragen zu beantworten.

    Lassen wir die Diskussion herüber auf sich beruhen.

    Kommen wir zu den pragmatischen Lösungsansätzen:

    „Vorschlag, dass in Führungspositionen vorzugsweise diejenigen kommen, die nachweisen können, dass sie erfolgreich ein kleines Familienunternehmen führen können“

    Ganz konkret: Wollen Sie Modell-Familienunternehmen gründen und wie in einem Labor, die potentiellen Führungsaspiranten testen?

    Oder sollen zukünftige Führungskräfte eine praltische Ausbildung absolvieren (z.B. Lehre)?

    Der Hinweis auf den Spiegelartikel und letztlich die „Schmalspur bachelors “ ist gut.

    Aus meiner Erfahrung, tendiere ich mehr zum on-the-job lernen. Und letztlich wird sich auch bei den “ Führungskräften “ nur der oder die durchsetzen, die Intelligenz gepaart mit Erfahrung besitzt.

    Was das “ Bevölkerungswachstum “ betrifft:

    Da bin ich immer noch sehr skeptisch was die Anreize betrifft.

    Wir in Deutschland sind weltweitführend, was die finanziellen Aufwendungen für Kinder betrifft … und trotzdem haben wir immer noch eine sehr niedrige Bevölkerungswachstumsrate.

    Und auch einmal gefragt:
    Heißt tatsächlich eine sehr niedrige Bevlkerungswachstumsrate automatisch eine stärkere finanzielle Belastung der jüngeren Generationen?

    Das Modell der private Rentenversicherung, sei es Riester oder andere ist doch letztlich gescheitert.

    Eine Rendite von <2% ist heute an der Tagesordnung.

    Dass privat immer besser als staatlich sei, ist doch auch ein Märchen, wie wir bei der privaten Krankenversicherung oder den berühmten Private Public Partnership Modellen feststellen können.

    Ich würde sogar die These vertreten, dass aufgrund des Produktivitätsfortschrittes im Bereich der Innovationen ausreichend Finanzmittel vorhanden wären, damit ein Angesteller fünf Rentner ernähren kann.

    Wenn wir uns die Landwirtschaft um 1900 im Vergleich zu 2000 anschauen. Wieviel Landwirte brauchen wir heute noch, um die Bevölkerung zu ernähren und um Deutschland zum gößten Agrarexportland in Europa zu machen.

    Der Produktivitätsfortschritt beginnt mittlerweile auch im akademischen Sektor.

    Soll heißen, durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, sprich innovative Algorithmen, ist es mittlerweile möglich die Zahl der Anwälte, die bei Unternehmensfusionierungen eingesetzt werden, zum Teil um 100 bis 200 % zu reduzieren.
    Im medizinischen Sektor bei der Entwicklung von Pharmaka zeichnen sich ähnliche Entwicklungen ab.

    Wenn ich Götterdämmerungsszenarien sehe, dann frage ich mich heute mehr denn je, verfolgt derjenige, der sie proklamiert wirtschaftliche Interessen?

    Nehmen Sie die derzeitige Diskussion zwischen Vahrenholt und dem IPCC:

    http://www.ftd.de/unternehmen/.....65812.html

    http://www.ftd.de/unternehmen/.....65823.html

    Und wenn ich dann lese dass Sloterdijk im Frankfurter Zukunftsrat zusammen mit Wolfgang Clement
    sitzt und dann solche Thesen veröffentlicht werden:

    http://www.frankfurter-zukunft.....8_2011.pdf

    Dann komme ich sehr gerne auf das Netzwerk der ETH Zürich zurück, die festgestellt haben, das ca, 50 Unternehmen in der welt, mehr oder weniger unsere gesellschaftliche und ökonomische Entscheidungen bestimmen!!!

    P.S. Zu Heinsohn:

    Er versucht die youth bulge Theorie eindimensional anzugehen und versäumt es m.E. andere auch entscheidende Faktoren mit einzubeziehen.Außerdem sind m.E. seine stastische demograhischen Daten sehr porös. Was seine Gedanken zu Hartz IV Empfänger betrifft sind sie m.E. sehr abstrus.

    Aber das wäre ein einmal ein seperates Thema

    P.S. Wenn wir tatsächlich in einen echten Dialog/Diskurs eintreten sollten, dann bitte doch etwas mehr konkretes " Material " wie z.B. bei den Familienunternehmen.

    Es heißt dort allerdings auch oftmals:

    "Familienunternehmen haben häufig ein Problem der Nachfolge. Die erste Generation baut auf, die Zweite erhält, die Dritte reißt alles ein – so eine Einschätzung in Wirtschaftskreisen."

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    @ Moritz Berger:
    Falls Sie tatsächlich Legasthenie haben, bitte ich um Entschuldigung.
    Was das andere betrifft: ich finde es nicht sinnvoll, wenn Sie etwas von mir aus einem thread heraus zitieren. Daher sage ich lieber nein. Verlinken Sie doch APo’s Stück, wenn er einverstanden ist. Meistens liest man die threads an und, falls sie interessant bleiben,
    zu Ende.

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    @ Moritz Berger

    Sie sind eine richtige Spürnase. Den Artikel von Egon Flaig in der FAZ kannte ich noch nicht. Ich habe aus seinem Beitrag in: Mathias Brodkorb (Hrsg.),Singuläres Auschwitz? Ernst Nolte, Jürgen Habermas und 25 Jahre „Historikerstreit“ zitiert, in dem auch Alan Posener einen Beitrag: Logisch nur für Antisemiten leistete.

    „Pestartige Virulenz“ wäre mir Ihnen gegenüber zu scharf gewesen, Diskusethik in stalinoider Popularisierung schien mir ausreichend für jemanden, der meine Interventionen immer wieder als braun und nazistisch zu diskreditieren versucht. Maß für Maß.

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    @Parisien

    Sie haben Recht, ich kann imer noch nicht lesen. Auch wenn ich Legasteniker bin ist dies sicherlich kein Entschuldigungsgrund
    Ob ich ein Konzept habe?? wenn ich immer noch nicht lesen kann, kann ich dann ein Konzept haben.?

    Mir fehlt leider die humanistische Bildung. Und nur das große Latinum ist nicht ausreichend.

    Eine kleine Bitte am Rande:

    Erlauben Sie mir, dass ich Ihre detaillierten Ausführungen auch an anderer Stelle im Web (natürlich mit dem Hinweis auf die Urheberrechte) veröffentlichen kann?

    Dass mein Kollege JLL immer noch an die Armani-Anzüge an Herrn Lyoner verschickt hat, ist normalerweise nicht sein Stil. Er hält es sonst mit John Wayne:

    „Talk low, talk slow and don’t say too much“

    Aber vielleicht liegt es auch daran, dass er sich von der Niederlage der Patriots bei den Giants im Superbowl erholen muß.

    Dass heißt auch bei Ihm: er hat eine hohe Wette verloren!

    Aber zum Glück wettet er nicht wie die Deutsche Bank auf den Tod:

    http://www.dasinvestment.com/i.....chen-bank/

    P.S. Muß man Kardinal Meißner kennen?

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    @ Moritz Berger

    Ich bewundere an Ihnen, dass Sie leichtfüssig wie weiland Muhammad Ali durch den Ring tanzen, wenn Sie jetzt noch Treffer landen würden, wären Sie für mich Muhammad Ali dot 2.

    Wenn ich formuliert hätte „Stimmt Sie das nicht bedenklich, lieber Moritz Berger, dass die Geburtenrate der autochtonen Frauen (MuttersprachlerInnen) 1,0 beträgt, mithin die Hälfte einer Reproduktionsrate, dass gerade die gut ausgebildeten Frauen hier nur einen sehr ungenügenden Beitrag leisten?“ hätte hier kein Hahn danach gekräht, Sie schon gar nicht. Wenn ich allerdings in unserer Mediengesellschaft Reizworte verwende, z.B. suizidale Generativität der autochtonen Deutschen oder schlappe Reproduktion, dann schwillt Ihnen der Kamm, das Gefieder stellt sich auf und Sie gackern ganz aufgeregt, als ob ich Arm in Arm mit Hitler ante portas stehe. Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit kann ich mir damit sicher sein.

    Ja, Sie haben wieder „ungenau zugehört“ bzw. in das falsche Ohr bekommen. Ich habe nämlich nicht geschrieben „… wenn sie aus Liebe einen Türken in Istanbul kennenlernen würde und ohne Kopftuch ein feste Lebensbindung eingehen würde, hätte ich etwas falsch gemacht“ – ich könnte mir wohl vorstellen, 3 Monate lang wie ein alter Türke in einem Teehaus, nahe dem Goldenen Horn, dem Topkapi und der Ayasofya zu sitzen und bedacht Cay und Raki zu trinken. Man wird doch hinsichtlich verschiedener Environments Bedenken haben dürfen, ich würde meine Tochter auch ungern bei den nepalesischen Maoisten, bei den Anhängern Aleister McCrowleys oder auf einem anderen leuchtenden Pfad sehen.

    „1. Sloterdijk ist kein Ökonom“ schreiben Sie. Habe ich auch nicht behauptet; er ist jedoch soweit ich weiß, der erste Philosoph, der die Heideggersche Analyse des Gestells erweitert auf eine Ontologie der herrschenden kapitalistischen Ökonomie. Ich lege Ihnen ans Herz, Sloterdijk mal im Original zu lesen, z.B. Du mußt Dein Leben ändern (http://www.amazon.de/mu%C3%9Ft.....3518419951) oder Im Weltinnenraum des Kapitals (http://www.amazon.de/Im-Weltin.....3518416766); wenn Sie wenig Zeit haben, vielleicht dieses schöne Interview http://www.misik.at/texte-aus-.....rieren.php.

    Zweitens, schreiben Sie, sei die youth bulge Theorie Heinsohn durch einschlägige Studien widerlegt. Können Sie mir Links auf diese Studien geben?

    Drittens, schreiben Sie, halten Sie es mit EJ. Gegenüber den von Ihnen zitierten Ausführungen EJs habe ich geschrieben
    http://starke-meinungen.de/blo.....ment-11957
    EJ konnte mir immer noch nicht darstellen, welchen Scheiss aus den 50er Jahren Heinsohn angeblich wiederkäut.

    Dass man mir manchmal anmerkt, dass ich das Große Graecum und Latinum habe, habe ich meinem Vater zu verdanken, der mich gegen meinen Wunsch – ich wäre lieber auf ein neusprachliches und naturwissenschaftliches Gymnasium gegangen – auf einem humanistischen anmeldete, um eine geistliche Laufbahn nicht auszuschließen. Wenn ich diesen Fundus habe, warum soll ich ihn nicht nutzen? Napoleon sagte seinen Soldaten vor den Pyramiden, 40 Jahrhunderte schauen auf euch hinab; ich bedaure, dass nur wenige in der Lage sind, vor (und von) diesen Jahrhunderten Rechenschaft abzulegen.

    So und jetzt zum wichtigsten Punkt. Sie bemängeln, dass bei mir pragmatische Lösungsansätze zu einer Verbesserung der Reproduktionsrate der Deutschen fehlen würden. Ich habe hier an verschiedenen Stellen mit Roland Ziegler und Parisien darüber diskutiert. Um nicht zu ausführlich zu werden, spitze ich das jetzt zu: Man muss verhindern, dass in der Lebensplanung unserer jungen Leute das generativ fruchtbarste Alter dem Studium und der Karriere geopfert wird. Parisien hat den Vorschlag gemacht, das Studium so zu gestalten, dass es jungen Menschen möglich ist, auch Kinder zu bekommen. Ich habe dies ergänzt durch den Vorschlag, dass in Führungspositionen vorzugsweise diejenigen kommen, die nachweisen können, dass sie erfolgreich ein kleines Familienunternehmen führen können (http://www.youtube.com/watch?v=h33F7YDqXM4). Die haben eine größere soziale Kompetenz – und die überforderten und arroganten „high potentials“ haben mehr Zeit auszureifen (http://www.spiegel.de/karriere.....28,00.html). Wäre das nicht ein innovates Anreizsystem? – Dem Vorschlag von Parisien zu der Einführung von Einwanderungsbestimmungen wie in Australien, Kanada und Neuseeland stimme ich zu. – Nein, die Immigranten werden nicht abgeschoben, Familienzuzug (z.B. Importbräute) wird durch die Einwanderungsbestimmungen geregelt. Selbstverständlich sollte man Einwanderer nicht unterschätzen; die Bedingungen für Entrepreneurship sollten generell verbessert werden.

    Ich habe den Eindruck, dass Roland Ziegler und ich uns pragmatisch angenähert haben; es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn auch wir uns mit der Zeit nicht besser verständigen könnten. Manchmal wundere ich mich, dass Sie so begriffsstutzig sind und so gerne an Ihren Feindbildern festhalten.

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    Guggenheim Berlin wird endlich zeitgenössische Kunst. Die Kunst des Redens der Elten:
    Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann kündigte an, die Räumlichkeiten sollten für ein neu geplantes Dialogforum zwischen Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft genutzt werden. Wie die neue Partnerschaft mit Guggenheim aussehen kann, blieb zunächst offen. Der bei der Bank für die Kunstaktivitäten zuständige Friedhelm Hütte sprach von „ausgewählten Projekten“.
    http://www.spiegel.de/kultur/g.....87,00.html

    Aber klar doch. Was sollen wir mit Malern? Es ist der „Homo oeconomicus“, Zitat Lyoner, der zählt.
    Peggy dreht sich im Grab um.

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    @ M.B.
    Sie haben ein Konzept, scheint es, und dem muss sich alles unterordnen, auch Herr Heinsohn. Sie brauchen nur nach Nigeria zu schauen,um zu sehen, dass an Herrn Heinsohns Beobachtungen was dran ist. Sie sind wie ein Wirtschaftsunternehmen, das ein Gebäude in einem Naturschutzgebiet braucht. Dann müssen die Bäume weg. Stu 21 ist auch kein schlechtes Beispiel. Oder die Globalisierung, auch böse New World Order genannt, einmal erdacht, muss sie durchgezogen werden, auch wenn Hindernisse im Weg sind, wie Bindung, Patriotismus, Kulturen. Ben Barber hat das superb beschrieben: Coca-Cola gegen Dschihad.
    Aber so was fehlt Ihnen möglicherweise:
    Was ist das Schwerste von allem? Was dir das Leichteste dünket: Mit den Augen zu sehen, was vor den Augen dir lieget.
    Aus Poseners marodem 19. Jh, von Goethe.

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    @ Moritz Berger:
    Sorry, wenn ich mich einmische:
    Was machen wir mit den Immigranten in Deutschland, speziell den Türken? Sollen wir sie wieder in die Türkei abschieben??

    Wenn die Türkei weiter aufbaut, werden die Türken, die erkannt haben, dass gute Ausbildung etwas zählt, von sich aus gehen, weil sie dort als Dreisprachige (plus Schulenglisch) gute Chancen haben. Die türkischen Großeltern bleiben uns auch in der Türkei als Rentner erhalten. Wir bekommen dann statt dessen vermutlich Araber zum Ausbilden. Es geht hier um’s Prinzip. Wer billige Arbeiter und entsprechende Zuwanderung will, soll die Ausbildung ihrer Kinder bezahlen und zwar so: Maximal 15 Kinder pro Lehrer.

    Sie lesen immer noch nicht richtig. Das mit dem beharken ist von mir, aber ich schenke es Lyoner, nachdem er schon den Anzug nicht geschickt kriegt.

    Damit Sie mal ausnahmsweise was von mir lernen: Oktroyieren ohne auf, wenn man das Wort schon gebraucht.
    Die humanistischen Gymnasien sollten wieder mehr werden. Und geschlechtergetrennte Schulen ebfs., weil die Boys zwei Jahre zurück sind, mindestens bis sie ca. 15/16 sind und zurückfallen hinter die girls. Diese bekommen die besseren Plätze an den Unis. Das ist ausgesprochen demütigend. Ein bisschen Machogehabe macht das gern wieder wett. Da sind Fehler aus dem Feminismus dabei. Und das mit dem leeren Bauch ist auch aus dem Feminismus: ‚Mein Bauch gehört mir‘. Wenn man die Schwangerschaftsunterbrechung, außer in Härtefällen, wieder verbieten würde, wäre viel gewonnen. Eine Gesellschaft, die Föten einfach so abtreibt, sich hedonistisch auslebt und mit Überresten von Embryonen Experimente betreibt, kann nicht bestehen. Sarrazin hat in einem Unrecht: Wenn Deutschland/der Westen sich abschafft, ist das nicht die Schuld derer, die dann einwandern, sondern derer, die die Grundlagen für ihre „Abschaffung“ geschaffen haben. Der Feminismus, wo er gleiche Rechte will, ist gut. Wo er über den Fötus mit Stiefeln geht, ist er unchristlich, grundsätzlich unreligiös und unbiologisch. Kommen Sie mir bitte nicht mit Kardinal Meißner. Der Mann hat Recht, hat es aber dämlich ausgedrückt.

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