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Mächtig, mächtiger, Merkel

Es gibt Zeiten, in denen sich einzelne Nachrichten auf seltsame Art und Weise miteinander verschränken.

Das gilt in diesen Tagen vor allem für Angela Merkel. Da macht die Euro- und Schuldenkrise ihr das politische Leben zig Milliarden schwer. Dann wollen auch noch die Parlamentarier in den eigenen Reihen gehätschelt werden, damit sie ohne großes Murren Rettungspakete unvorstellbaren Ausmaßes einfach so durchwinken. Vom Zoff in der Koalition, seit Langem ein Dauerzustand, ganz zu schweigen.

Außerdem nörgeln jetzt nicht nur die Kommentaristen der Republik an Merkels mangelhaftem Führungsstil herum, sondern ein amtierender Bundespräsident und ein Altkanzler schimpfen lautstark über das nicht vorhandene, wertefreie Krisenmanagement der Regierungschefin. Und in Sachen Libyen steht Schwarz-Gelb ohnehin blamiert da.

Das klingt nach Kanzlerinnendämmerung. Doch das sehen wohl nur wir hier bei uns zu Hause so. Denn für das Ausland ist Angela Merkel offenbar weiterhin eine große Nummer, die größte sogar. Das US-Magazin Forbes hat die Deutsche soeben zur mächtigsten Frau der Welt gekürt.

Wie das? Ganz einfach. Weil Forbes Macht nicht allein am Geld festmacht, sondern auch an politischem Einfluss und gesellschaftlicher Position. Merkel sei nun mal „unangefochtenes Oberhaupt der EU“ und „Chefin einer der wahren globalen Wirtschaftsmächte in Europa“.

Und mal ehrlich – da ist was dran. Ohne die Bundeskanzlerin geht auf dem internationalen Parkett der Finanz-  und Wirtschaftspolitik derzeit herzlich wenig. Die meisten Akteure scheint dabei kaum zu kümmern, dass das Ganze konzeptions- und ideenlos daherkommt.

Doch wer wollte es wagen, etwas gegen den Willen der größten Volkswirtschaft des Kontinents zu unternehmen? Schließlich steht Deutschland deutlich besser da als Resteuropa. Und: Merkel gefällt sich nun mal in der Rolle der Sachwalterin dieser besonderen Stellung.

Dies wiederum wird der CDU-Vorsitzenden in Washington, Paris und Brüssel durchaus als Stärke und Zielstrebigkeit gutgeschrieben. Hinzu kommt ein taktisches Geschick, das ihr nicht einmal die politischen Gegner absprechen können. Zu dem gehört, den Mangel an Überblick und Fachkenntnissen überzeugend zu kaschieren.

Das hat die Kanzlerin wiederum mit der gesamten politischen Führungsklasse gemein: Kein Schwein versteht, was sich in Bruchteilen von Sekunden weltweit auf den Märkten abspielt. Folglich ist niemand in Sicht, der Merkel den Rang aufgrund ausgewiesener Kompetenz streitig machen könnte.

Mächtigste Frau der Welt also. Das klingt gut, nach Anerkennung, Bestätigung und Größe. Wer kann da noch ein Ohr haben für die kleinlichen Zwischenrufer, für die Wulffs und Kohls hierzulande? Nicht, wer die Nummer eins bei Forbes bleiben will!

3 thoughts on “Mächtig, mächtiger, Merkel

  1. avatar

    Nur eine Nummer von Merkel # 1 nach Hillary Clinton # 2, – Dilma Rousseff # 3 Praesidentin Brasiliens – ein Land 22 mal so gross wie Deutschland mit 2 1/2 mal mehr Mitbuerger. Ein Land welches man nicht auf der Landkarte suchen muss, und im Wirtschaftsranking nur zwei Stellen (Frankreich und Italien) hinter Deutschland als Weltwirtschaft # 4.

  2. avatar

    Ich stimme Frau Winter prinzipiell zu: Nur (im konkreten Fall – leider) ist aktuell in der Partei keine profilierte Person erkennbar vorhanden, die zu einer derartigen Handlung bereit stünde; also gleichsam eine wirkliche Alternative zu “TINA” darstellen würde. Kein Roland Koch. Und schon deutlich länger: kein Friedrich Merz mehr.

  3. avatar

    Richtig. Warum sollte sich Frau Dr. Merkel darum kümmern, dass Sie hierzulande als Fähnchen im Wind wahrgenommen wird wenn Sie sich “historisch” dank Forbes als “alternativlos” sehen kann und mag. Da kann man glatt vergessen, wie Demokratie funktioniert. Kann man nur hoffen, dass die CDU ihrer Dolchstoßmentalität treubleibt und sie aurangiert bevor Merkel die CDU ausrangiert.

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