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	<title>starke-meinungen.de &#187; Holocaust</title>
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		<title>Holocaustverdrängung und Atomophobie</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 23:26:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alan Posener</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich lese gerade mit atemloser Spannung Bettina Stangneths Buch „Eichmann vor Jerusalem“. (Wer dazu mehr erfahren will, kann in der letzten Ausgabe der WamS ein langes Interview lesen, das ich mit der Autorin geführt habe.) Das Buch ist auch deshalb so interessant, weil neben der Hauptgestalt auch faszinierende Nebengestalten ausgeleuchtet werden, wie etwa Willem Sassen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich lese gerade mit atemloser Spannung Bettina Stangneths Buch „Eichmann vor Jerusalem“. (Wer dazu mehr erfahren will, kann in der letzten Ausgabe der WamS ein langes Interview lesen, das ich mit der Autorin geführt habe.)</p>
<p>Das Buch ist auch deshalb so interessant, weil neben der Hauptgestalt auch faszinierende Nebengestalten ausgeleuchtet werden, wie etwa Willem Sassen, der holländische SS-Propagandist und Kriegskamerad Henri Nannens, der in Argentinien mit Adolf Eichmann an dessen Projekt einer apologetischen Autobiographie arbeitete. <span id="more-2580"></span>Und da stößt man auf Folgendes.</p>
<p>1956 schreibt dieser Sassen für das in Buenos Aires herausgegebene Nazi-Blättchen „Der Weg“ einen Artikel, in dem er seiner Betroffenheit beim Lesen des Buchs „Das Dritte Reich und die Juden“ von Léon Poliakov und Josef Wulf Ausdruck verleiht. (Man glaubt es kaum, aber in diesem 1955 in Deutschland veröffentlichten Buch fanden sich zum ersten Mal die wichtigsten Dokumente zur „Endlösung“ versammelt, darunter das Wannsee-Protokoll. Stangneths Buch ist auch deshalb so wertvoll, weil die Autorin vor Augen führt, wie wenig zuverlässiges Material es bis Mitte der 50er Jahre zum Thema Shoah gab, so dass Revisionisten aller Art bei der Verbreitung von Legenden leichtes Spiel hatten.) Sassen schreibt über seine Lektüreerfahrung: „Manchmal würgte es mich dabei und ich wand mich wie unter einem erstickenden Griff, bis ich – wieder ganz naiv – ausrief: ‚Es ist nicht wahr!’ Ich weiß, der Ausruf ist simpel, er entquoll der Hilflosigkeit&#8230;“</p>
<p>Der arme Kerl. Aber aus dem „erstickenden Griff“ des Juden Poliakov rettet er sich mit einem interessanten Trick: Als kleines Rädchen in der Vernichtungsmaschinerie (diese Worte benutzt Sassen nicht, die wird  Eichmann in Jerusalem auf sich münzen) sei er „nur ein kümmerlicher Zwerg neben den Nobelpreisträgern und Giganten der wissenschaftlichen Vernichtungstechnik, denen die Menschheit hilflos ausgeliefert ist.“ Gemeint ist die Atomkraft, bekanntlich eine jüdische Erfindung. Ich sage nur: Einstein. Echte Arier spalten keine Atome.</p>
<p>Es mag weit hergeholt und doch nicht zu weit hergeholt sein, die besondere Empfindlichkeit der Deutschen für die Gefahren der Atomtechnologie als kollektive Anwendung jenes Schuldabweisungsmechanismus zu deuten, den Sassen hier vorführt. Immer wieder waren die Nachkriegsdeutschen um Relativierung der von ihnen zu verantwortenden Verbrechen bemüht. Zuerst glaubte man, mit dem Bombenkrieg, den Vertreibungen und der Teilung sei man sozusagen quitt. Dann schob man die Verantwortung für „Gräuel wie in Hiroshima, Dresden und Auschwitz“ (die Reihung war sehr beliebt) auf die moderne arbeitsteilige Bürokratie, die zum Abbau individueller Verantwortung führe. Diese Wendung findet sich etwa bei Hannah Arendts Bericht über Eichmann in Jerusalem, der gerade deshalb von Hans Mommsen bei der Neuausgabe 1986 so gefeiert wurde. In der Totalitarismustheorie (auch sie einer der weniger glücklichen Beiträge Hannah Arendts zur deutschen Vergangenheitsüberwältigung)  fand man zugleich eine Rechtfertigung dafür, besonders antikommunistisch zu sein („gerade wir Deutschen mit unserer Vergangenheit&#8230;“). Und in der Beschwörung einer technischen Apokalypse, der Millionen zum Opfer fallen könnten und bei der die Nazi-Verbrecher zu „Zwergen“ mutieren, findet sich weitere Labsal für die geschundene deutsche Seele.</p>
<p>Es ist vielleicht kein Zufall, dass die Bewegung gegen die Atomkraft etwa zur gleichen Zeit Fahrt aufnimmt, als mit der Fernsehserie „Holocaust“ die Erkenntnisse Poliakovs, die den SS-Mann Sassen „würgten“, Bestandteil der kollektiven westdeutschen Psyche wurden. Explizit formuliert den Zusammenhang zwischen Holocaust und Atomophobie Caspar Harlan, einer der Söhne des „Jud Süß“-Regisseurs Veit, in Felix Moellers Film über den Umgang der Familie mit dem Erbe. Caspar lebt im Wendland, wo er die dortigen „Kulturtage“ organisiert, die sich explizit als Teil des Kampfs gegen das dort geplante atomare Endlager verstehen. Der Film zeigt ihn, wie er am Gelände des Endlagers vorbeiläuft. (Schon das Wort enthält zwei Teile, die im deutschen Bewusstsein nachklingen müssen: „End“ wie in Endsieg und Endlösung, und „Lager“; und natürlich ist Atommüll „Vergangenheit, die nicht vergehen will“, nicht wahr. Ach ja, und apropos „Atommüll“: Sassens Artikel von 1956 heißt: „Müllkutscher her! Bilanz unserer Atomzeit“.) Mit seinen Mauern und Wachtürmen erinnert das Lager tatsächlich an ein KZ, weshalb man den Bildern nie trauen soll, denn es ist doch etwas anderes, ob man Leute ein- oder aussperren will. „Ich will nicht meinen Töchtern gegenüber sagen, ich hätte nichts gewusst und nichts getan“, sagt Caspar. „Das ist meine Lehre aus dem Leben meines Vaters“. (Ich zitiere aus dem Gedächtis.) Der Kampf gegen die Atomkraft also als nachgeholter Kampf gegen die Nazis. Ich fürchte, allzu viele Atomkraftgegner empfinden das so.</p>
<p>Was nicht heißt, dass dieser Kampf falsch war oder ist. Dazu habe ich mich eindeutig geäßert. Was aber wohl heißt, dass diejenigen, die unverdrossen eine offensichtlich genetisch übertragene „German Angst“ für die Heftigkeit der hiesigen Reaktionen verantwortlich machen, womöglich – wie bei jener anderen „German Angst“, nämlich vor dem Islam – eine dunklere Quelle unsichtbar machen wollen.</p>
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		<title>Auch Opa war ein Nazi</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Nov 2010 23:16:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Böhme</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Faulkner]]></category>
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		<description><![CDATA[Es muss doch mal Schluss sein. Lasst uns endlich nach vorne schauen. Die Vergangenheit ist schon so lange her, da können wir sie doch getrost hinter uns lassen. Und hat die Bundesrepublik, dieser rechtschaffene, demokratische Staat, nicht alles getan, um Licht ins Dunkel der Nazizeit zu bringen? Sind wir nicht die weltbesten Geschichtsaufklärer und Geschichtsaufarbeiter? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es muss doch mal Schluss sein. Lasst uns endlich nach vorne schauen. Die Vergangenheit ist schon so lange her, da können wir sie doch getrost hinter uns lassen. Und hat die Bundesrepublik, dieser rechtschaffene, demokratische Staat, nicht alles getan, um Licht ins Dunkel der Nazizeit zu bringen? Sind wir nicht die weltbesten Geschichtsaufklärer und Geschichtsaufarbeiter? Wohl wahr. Aber auch, wenn es vielen reicht – es reicht noch lange nicht.<span id="more-2104"></span></p>
<p>Der ehemalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat vor kurzem den amerikanischen Schriftsteller William Faulkner mit einem prägnanten Satz zitiert: »Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen.« Der heutige SPD-Fraktionschef hätte mit Blick auf die Studie über das Auswärtige Amt im Dritten Reich auch Fritz Bauer erwähnen können. Ein Großteil seines Lebens verbrachte der Staatsanwalt damit, NS-Verbrecher dingfest zu machen. Und sein Credo lautete: »Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.«</p>
<p>Ja, diese Vergangenheit, unsere Vergangenheit, die Schoa und die vielen anderen Verbrechen der Nazizeit reichen bis in unsere Tage. Und sie werden es weiter tun. Die Aufregung, das Erstaunen und die Enttäuschung über die diplomatische Elite und ihre aktive Teilhabe am Völkermord zeigen, dass wir mit Holocaust und Drittem Reich noch lange nicht fertig sind. Wie auch? Bis in den letzten ideologischen, politischen und geografischen Winkel hinein reichte dieses Projekt der Vernichtung. Da half und hilft alles Verdrängen, Verschweigen und Vertuschen nichts. Auch Opa war ein Nazi. Das Volk der Denker und Dichter – ein barbarisches Volk. Nichts Entlastendes, nirgends.</p>
<p>Aber wissen wir, die doch immer vorgaben, von allem nichts gewusst zu haben, das nicht längst? Großteils schon, man mag es jedoch nicht wahrhaben, sich vorstellen, sich eingestehen. Wer kann eine solche Last, kann so viel Verantwortung schon tragen und ertragen? Also geben wir uns lieber der Illusion hin, dass es auch ein bisschen Gutes im großen Bösen gab. Widerstand! Aufrechte Menschen, die Juden halfen! Sicherlich, die gab es auch. Aber die Wenigen reichen eben nicht aus, um der Mär vom verführten, verirrten Volk irgendeine Grundlage zu verschaffen. Dennoch ist diese Legende zählebig. Und so wird das heutige Deutschland noch oft überrascht sein, wenn »Neues« über Kooperation und Kollaboration in Sachen Judenmord aus den dunklen Tiefen bislang unzugänglicher Archive zutage gefördert wird.</p>
<p>65 Jahre sind seit der Schoa vergangen. Klingt nach verdammt viel Zeit. Aber gemessen an der Monstrosität des Menschheitsverbrechens sind 65 Jahre kaum mehr als ein Wimpernschlag.</p>
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		<title>Islamophobie und sekundärer Antisemitismus</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 23:01:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alan Posener</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alan Posener]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Henryk M. Broder]]></category>
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		<category><![CDATA[Minarettverbot]]></category>

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		<description><![CDATA[So lange in Deutschland des Holocausts gedacht wird, so lange gibt es Leute, die das unangenehm finden. Das bekannteste Beispiel ist Martin Walser, der sich vor Jahren unter dem Beifall der versammelten deutschen Elite ausgerechnet in der Paulskirche dazu bekannte, lieber wegzusehen, wenn im Fernsehen wieder einmal die deutschen Verbrechen dargestellt werden und die Vermutung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So lange in Deutschland des Holocausts gedacht wird, so lange gibt es Leute, die das unangenehm finden. Das bekannteste Beispiel ist Martin Walser, der sich vor Jahren unter dem Beifall der versammelten deutschen Elite ausgerechnet in der Paulskirche dazu bekannte, lieber wegzusehen, wenn im Fernsehen wieder einmal die deutschen Verbrechen dargestellt werden und die Vermutung aussprach, „man“ wolle „uns“ damit  verletzen. Für diese Art von Äußerungen und Haltungen, gibt es mittlerweile einen Begriff: Man redet von „sekundärem Antisemitismus“.</p>
<p>Dieses Jahr können sich diejenigen freuen, die wie Walser genug vom Gedenken haben. <span id="more-930"></span>Im Vorfeld des diesjährigen Holocaust-Gedenktages haben sich jüdische Autoren ähnlich geäußert. Und, wie man weiß, ist das wichtigste Argument des Antisemiten immer: „Das sagen ja die Juden selber!“  In der israelischen Zeitung Ha&#8217;aretz schrieb der in Berlin lebende New Yorker Benjamin Weinthal: &#8220;Die Erinnerung an die Shoah ähnelt in Deutschland inzwischen einer Form von Zwangsneurose&#8221; – dem Waschzwang nämlich.</p>
<p>Und ausgerechnet im &#8220;Tagesspiegel&#8221;, dem Zentralorgan des West-Berliner Juste-Milieus, startete Weinthals Förderer Henryk M. Broder (bekannt durch Bücher wie  „Die Irren von Zion“ und „Deutsche Leidkultur“) einen Angriff auf &#8220;Jammerjuden, die in jeder Talkshow erzählen, wie viele Angehörige sie im Holocaust verloren haben und wie sehr sie sich heute vor der NPD fürchten&#8221;.</p>
<p>Nun wollen wir nicht unfair sein. Broder wollte nicht etwa, wie Walser, das deutsche gute Gewissen gegen Zumutungen verteidigen. Im Gegenteil. Broder meint, das Holocaust-Gedenken sei ein leeres Ritual, wenn aus ihm nicht die Entschlossenheit erwächst, den heutigen Islamismus zu bekämpfen.</p>
<p>Freilich ist es nicht ganz klar, ob und wo Broder die Grenze zwischen Islamismus und Islam zieht; und ob beziehungsweise wo er eine Grenze zieht zu jenen, die unter dem Deckmantel des Kampfs gegen den Islamismus einfach ihrer eigenen Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie frönen. So hat Broder nicht nur das Schweizer Minarettverbot begrüßt, sondern auch den holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders als &#8220;Radikalliberalen&#8221; gelobt. Wilders hält den Koran für ein „faschistisches“ Machwerk, fordert eine „Kopftuchsteuer“ und unterhält freundschaftliche Beziehungen zur FPÖ (Wahlslogan 2009: „Unser Kurs ist klar: Abendland in Christenhand“), die aus ihrem Antisemitismus keinen Hehl macht, mit ungarischen Faschisten turtelt und die jedenfalls zu Zeiten Jörg Haiders unseligen Angedenkens gute Beziehungen zum Iran unterhielt.</p>
<p>Das Mainstream-Judentum in Deutschland und anderswo hat hingegen immer – allen Zumutungen zum Trotz – den muslimischen Gemeinschaften die Hand ausgestreckt, weil es zu Recht spürte, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Islamophobie natürliche Bundesgenossen des Antisemitismus sind, auch wenn einige radikale Moslemhasser wie Geert Wilders sagen, sie liebten Israel &#8211; &#8220;weil es den islamischen Terrorismus bekämpft&#8221;. (Was so ziemlich der schlechteste Grund ist, den jüdischen Staat zu lieben, den man sich denken kann.)</p>
<p>In seinem Tagesspiegel-Artikel stellt Broder die rhetorische Frage,  „ob der Islam tatsächlich eine Religion des Friedens ist oder vielleicht eher eine religiös verbrämte Ideologie der Unterwerfung“. Es liegt auf der Hand, dass es auf diese Schein-Frage keine Antwort geben kann, was sofort einleuchtet, wenn man ein Gedankenexperiment vornimmt und im vorliegenden Zitat  „der Islam“ durch „das Christentum“ ersetzt.</p>
<p>Aus jeder Religion kann man so ziemlich alles herauslesen; auch deshalb ist die Religionskritik so bitter nötig, und nirgendwo nötiger als im Islam. Aber es besteht ein Unterschied zwischen der Religionskritik und der Diffamierung aller Angehörigen einer Religion als Anhänger einer „Ideologie der Unterwerfung“. Im Zusammenhang einer solchen Diffamierung laufen die Positionen Broders und Weinthals auf Folgendes hinaus: Deutschland erwache, hör auf damit, dich wegen deiner Vergangenheit zu geißeln, hör auf, den &#8220;Jammerjuden&#8221; zuzuhören und schließe dich dem Kreuzzug gegen jene Millionen Muslime an, die „Unterwerfung“ fordern.</p>
<p>Es ist klar, dass diese Botschaft viele Deutsche anspricht, die begierig sind, sich ihrer Verantwortung dafür zu entledigen, das Gedenken an den Holocaust aufrechtzuerhalten – vor allem, weil sie ihnen erlaubt, in Fremdenfeindlichkeit gegenüber Muslimen zu schwelgen und sich gleichzeitig gut dabei zu fühlen. Schließlich haben sie jetzt aus berufenem Munde das Koscher-Siegel erhalten. So fördert die Islamophobie den sekundären Antisemitismus.</p>
<p>Was niemanden wundern dürfte. Denn wie der – bezeichnenderweise besonders von Weinthal mit persönlichem Hass verfolgte – Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz feststellt, und wie die Vorurteilsforschung seit langem weiß, ähneln sich die Grundmuster aller Phobien – gegen Schwule oder Freimaurer, Amerikaner oder Muslime – und folgen jenem fürchterlichen Urmuster, das der christliche Antijudaismus vorgab und das leider nicht in Auschwitz endete.</p>
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