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	<title>starke-meinungen.de &#187; Henryk M. Broder</title>
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	<description>zur Bundestagswahl 2009</description>
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		<title>Islamophobie und sekundärer Antisemitismus</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 23:01:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alan Posener</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>So lange in Deutschland des Holocausts gedacht wird, so lange gibt es Leute, die das unangenehm finden. Das bekannteste Beispiel ist Martin Walser, der sich vor Jahren unter dem Beifall der versammelten deutschen Elite ausgerechnet in der Paulskirche dazu bekannte, lieber wegzusehen, wenn im Fernsehen wieder einmal die deutschen Verbrechen dargestellt werden und die Vermutung aussprach, „man“ wolle „uns“ damit  verletzen. Für diese Art von Äußerungen und Haltungen, gibt es mittlerweile einen Begriff: Man redet von „sekundärem Antisemitismus“.</p>
<p>Dieses Jahr können sich diejenigen freuen, die wie Walser genug vom Gedenken haben. <span id="more-930"></span>Im Vorfeld des diesjährigen Holocaust-Gedenktages haben sich jüdische Autoren ähnlich geäußert. Und, wie man weiß, ist das wichtigste Argument des Antisemiten immer: „Das sagen ja die Juden selber!“  In der israelischen Zeitung Ha&#8217;aretz schrieb der in Berlin lebende New Yorker Benjamin Weinthal: &#8220;Die Erinnerung an die Shoah ähnelt in Deutschland inzwischen einer Form von Zwangsneurose&#8221; – dem Waschzwang nämlich.</p>
<p>Und ausgerechnet im &#8220;Tagesspiegel&#8221;, dem Zentralorgan des West-Berliner Juste-Milieus, startete Weinthals Förderer Henryk M. Broder (bekannt durch Bücher wie  „Die Irren von Zion“ und „Deutsche Leidkultur“) einen Angriff auf &#8220;Jammerjuden, die in jeder Talkshow erzählen, wie viele Angehörige sie im Holocaust verloren haben und wie sehr sie sich heute vor der NPD fürchten&#8221;.</p>
<p>Nun wollen wir nicht unfair sein. Broder wollte nicht etwa, wie Walser, das deutsche gute Gewissen gegen Zumutungen verteidigen. Im Gegenteil. Broder meint, das Holocaust-Gedenken sei ein leeres Ritual, wenn aus ihm nicht die Entschlossenheit erwächst, den heutigen Islamismus zu bekämpfen.</p>
<p>Freilich ist es nicht ganz klar, ob und wo Broder die Grenze zwischen Islamismus und Islam zieht; und ob beziehungsweise wo er eine Grenze zieht zu jenen, die unter dem Deckmantel des Kampfs gegen den Islamismus einfach ihrer eigenen Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie frönen. So hat Broder nicht nur das Schweizer Minarettverbot begrüßt, sondern auch den holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders als &#8220;Radikalliberalen&#8221; gelobt. Wilders hält den Koran für ein „faschistisches“ Machwerk, fordert eine „Kopftuchsteuer“ und unterhält freundschaftliche Beziehungen zur FPÖ (Wahlslogan 2009: „Unser Kurs ist klar: Abendland in Christenhand“), die aus ihrem Antisemitismus keinen Hehl macht, mit ungarischen Faschisten turtelt und die jedenfalls zu Zeiten Jörg Haiders unseligen Angedenkens gute Beziehungen zum Iran unterhielt.</p>
<p>Das Mainstream-Judentum in Deutschland und anderswo hat hingegen immer – allen Zumutungen zum Trotz – den muslimischen Gemeinschaften die Hand ausgestreckt, weil es zu Recht spürte, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Islamophobie natürliche Bundesgenossen des Antisemitismus sind, auch wenn einige radikale Moslemhasser wie Geert Wilders sagen, sie liebten Israel &#8211; &#8220;weil es den islamischen Terrorismus bekämpft&#8221;. (Was so ziemlich der schlechteste Grund ist, den jüdischen Staat zu lieben, den man sich denken kann.)</p>
<p>In seinem Tagesspiegel-Artikel stellt Broder die rhetorische Frage,  „ob der Islam tatsächlich eine Religion des Friedens ist oder vielleicht eher eine religiös verbrämte Ideologie der Unterwerfung“. Es liegt auf der Hand, dass es auf diese Schein-Frage keine Antwort geben kann, was sofort einleuchtet, wenn man ein Gedankenexperiment vornimmt und im vorliegenden Zitat  „der Islam“ durch „das Christentum“ ersetzt.</p>
<p>Aus jeder Religion kann man so ziemlich alles herauslesen; auch deshalb ist die Religionskritik so bitter nötig, und nirgendwo nötiger als im Islam. Aber es besteht ein Unterschied zwischen der Religionskritik und der Diffamierung aller Angehörigen einer Religion als Anhänger einer „Ideologie der Unterwerfung“. Im Zusammenhang einer solchen Diffamierung laufen die Positionen Broders und Weinthals auf Folgendes hinaus: Deutschland erwache, hör auf damit, dich wegen deiner Vergangenheit zu geißeln, hör auf, den &#8220;Jammerjuden&#8221; zuzuhören und schließe dich dem Kreuzzug gegen jene Millionen Muslime an, die „Unterwerfung“ fordern.</p>
<p>Es ist klar, dass diese Botschaft viele Deutsche anspricht, die begierig sind, sich ihrer Verantwortung dafür zu entledigen, das Gedenken an den Holocaust aufrechtzuerhalten – vor allem, weil sie ihnen erlaubt, in Fremdenfeindlichkeit gegenüber Muslimen zu schwelgen und sich gleichzeitig gut dabei zu fühlen. Schließlich haben sie jetzt aus berufenem Munde das Koscher-Siegel erhalten. So fördert die Islamophobie den sekundären Antisemitismus.</p>
<p>Was niemanden wundern dürfte. Denn wie der – bezeichnenderweise besonders von Weinthal mit persönlichem Hass verfolgte – Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz feststellt, und wie die Vorurteilsforschung seit langem weiß, ähneln sich die Grundmuster aller Phobien – gegen Schwule oder Freimaurer, Amerikaner oder Muslime – und folgen jenem fürchterlichen Urmuster, das der christliche Antijudaismus vorgab und das leider nicht in Auschwitz endete.</p>
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