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	<title>starke-meinungen.de &#187; Elite</title>
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	<description>zur Bundestagswahl 2009</description>
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		<title>Elite – wenn von besonderer Klasse nur schlapper Joghurt bleibt</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Nov 2010 15:05:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Kocks</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Fragt man die Menschen in diesem Land, was ihnen zu Elite einfällt, so ist das mehrheitlich nur noch eine Joghurt-Marke. Nicht von ungefähr. Die allgemeine Verantwortungslosigkeit hat inzwischen jene erreicht, die für das Gegenteil bezahlt werden. Wenn es irgendeinen Sinn macht, aus dem Heer der einfachen Soldaten Offiziere herauszuheben, so liegt der doch darin, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fragt man die Menschen in diesem Land, was ihnen zu Elite einfällt, so ist das mehrheitlich nur noch eine Joghurt-Marke. Nicht von ungefähr. Die allgemeine Verantwortungslosigkeit hat inzwischen jene erreicht, die für das Gegenteil bezahlt werden.</p>
<p>Wenn es irgendeinen Sinn macht, aus dem Heer der einfachen Soldaten Offiziere herauszuheben, so liegt der doch darin, dass diese klüger und mutiger sind als der sprichwörtliche Schütze A. Und so war es mal selbstverständlich zu Preußens Gloria, dass die Anführer in der ersten Reihe standen, wenn die feindlichen Einschläge näher kamen. „Mir nach!“ lautete der Schlachtruf.</p>
<p>Heute erklingt zumeist: „Ihr voran!“ Führung ist aus der Mode gekommen, weil Verantwortung nichts mehr zählt. <span id="more-2189"></span>Die Klassengesellschaft löst sich auf, weil die Herrschenden der Gefallsucht anheim fallen und mehr geliebt werden wollen, als dass sie das Volk antreiben.</p>
<p>Der Öko-Hedonismus hat die Oberen Zehntausend erreicht. Westerwelle hatte mit der spätrömischen Dekadenz so Unrecht nicht. Der Irrtum lag in der Verortung: Nicht die Hartz-IV-Empfänger suhlen in Dekadenz, die Klientel der FDP, Partei der Besserverdiener laut Eigenbeschreibung,  scheint weit anfälliger.</p>
<p>Wo sind die Eliten, die kühne Ideen haben und bereit sind, sich dafür verbrennen zu lassen? Einst waren wir die Nation der Titanen vom Format des Martin Luther: „Hier stehe ich und kann nicht anders!“ Aus den Protest-Titanen sind heute Abstimmungsfanatiker, Konsensbüttel und Verhandlungszwerge geworden. Schlichten wollen sie, die Schlichten! Der einst diskrete Charme der Bourgeoisie hat sich bis zur Unsichtbarkeit verdiskreditiert.</p>
<p>Es gibt niemanden mehr, der in kontroversen Fragen wagemutig Verantwortung übernimmt und dazu steht. In dieser Heiner-Geißler-Republik geht es zu wie in der legendären Wohngemeinschaft: Wir sitzen alle um einen runden Tisch und jeder darf mal sagen, was er so findet. Und am Ende ist es schön, dass wir mal darüber geredet haben. Das Protokoll schreibt die Demoskopie.</p>
<p>Mediation heißt das Stichwort der Stunde. Mediation ist das Medium der Mediokren. Dabei werden die Frösche befragt, welche Ansichten sie zur Trockenlegung des Sumpfes haben.</p>
<p>Genug des Zeitgeistigen. Jetzt  mal konkret: Immer mehr Arbeitnehmer, insbesondere Arbeiter und kleine Angestellte, äußern sich frustiert über ihre Arbeitssituation. Schaut man sich die Umfragen und Studien gründlich an, so findet sich schnell das Hauptmonitum. Der Job erscheint sinnlos, die Arbeit macht keine Freude. Es fehlt an Motivation.</p>
<p>Dabei fällt das Urteil: Mein Chef interessiert sich nicht wirklich für mich. Das muss man richtig lesen können. Es geht nicht, wie in einem blöden Witz von Mario Barth, darum, dass die Sekretärin zum Abendessen eingeladen werden möchte. Der Satz meint: An meiner Arbeit findet mein Chef kein Interesse, außer es geht was schief.</p>
<p>Frustrierende Arbeitssituationen erzeugen Chefs, die nicht in der Lage sind, Ziele zu setzen, für Ziele zu begeistern, aus ihren Mitarbeitern Teamgeist zu entwickeln, zu motivieren. Denn dazu gehören Mut und Entschlusskraft. Ein guter Boss fördert die Spitze, küsst das Mittelfeld wach, setzt die Überforderten um und schmeißt die Unwilligen raus.</p>
<p>Bossing heißt Führung zeigen, nicht als intrigantes Weichei Schwelbrände des Mobbing zu entfesseln. Die quälende Entfremdung in einer frustrierenden Arbeitssituation beruht nie auf Über-, sondern immer auf Unterforderung der Mitarbeiter. Gegen Überforderung wehrt sich eine Belegschaft durch eine schlagkräftige Arbeitnehmervertretung.</p>
<p>Dagegen ist nichts zu sagen: Das industrielle Erfolgsmodell Deutschland beruht auch auf der Säule eines ordentlichen Betriebsverfassungsgesetzes und selbstbewusster Gewerkschaften.</p>
<p>Man wird oft finden, dass Mobbing-Opfer eben nicht in Kontakt zu den Vertrauensleuten und Betriebsräten stehen, eben nicht der Gewerkschaft angehören, sondern sich vereinzelt fühlen. Dass die Betriebsräte unser Problem sind, das ist eine These des reaktionären Mittelstandes, die auf industriellem Niveau niemand ernsthaft erhebt. Das sollte man sich auch nicht von gewerkschaftsfressenden  Winkeladvokaten einreden lassen.</p>
<p>Wo aber sind die Bosse, die mit offenem Visier und auf Augenhöhe ihren Belegschaften entgegentreten? Oder ihren Kunden? Oder ihren Aktionären? Unsere Managementkulturen werden immer stärker von weichgespülten Intriganten bevölkert. Es ist zum Heulen. Man sehe sich das Bild an, dass die Deutsche Bahn am Labertisch des Jesuiten Geißler abgibt.</p>
<p>Nächstes Beispiel: Erziehung, Ausbildung und Bildung. In die Kinderzimmer hat ein permissiver Erziehungsstil Einzug gehalten. Das mag Elternrecht oder eine Privatangelegenheit oder Folge der Patchworkerei sein. Aber an den Schulen und Hochschulen setzt sich diese Schwachmaten-Politik fort. Leistungsnachweise werden vorzugweise in Gruppenarbeit erbracht, eine Organisationsform der kollektivierten Verantwortungslosigkeit.  Der Bildung wird an den Unis der Bologna-Prozess gemacht, der professorale Voten durch kleinteiliges Abfragen und Notengewusel ersetzt.</p>
<p>Die Herren Hochschullehrer selbst haben mit der Beamtung das Recht auf nachhaltige Faulheit erworben. Die Selbstverwaltung der Hochschulen und Schulen durch diese chronisch unterqualifizierten Ordinarien und Oberlehrer pflegt ein Chaos, an dem Kafka seine bittere Freude gehabt hätte. Wenn dieses System noch Nobelpreisträger hervorbringt, so kann man getrost von einem Betriebsunfall ausgehen.</p>
<p>Und, last but not least, die Politik. Der Politiker der Zukunft ist, erlauben Sie mir die steile These, so wie Philipp Rösler. Nicht dumm, aber auch nicht gebildet, vielleicht intelligent, jedenfalls nicht intellektuell. Gefallsüchtig, aber tief ins Operative verstrickt, aus dem heraus er mutig mal Abweichungen im Detail wagt. Scheinriesen mit Sachbearbeitermentalität. Rösler ist ein Kasper, wie sein Parteivorsitzender, und ein wenig bunt, wie der Baron im Verteidigungsressort, und so bodenständig wie die Kanzlerin, die nur selten auftaucht aus dem Ungefähren.</p>
<p>Wenn irgendjemand das Fehlen alles Elitären in dieser Republik auf den Punkt zu bringen weiß, dann ist es Christian Wulff, unser Bundespräsident. Ich bin sicher, er wäre über diese Feststellung nicht einmal erbost; nein, sie gefiele ihm. Er war der erste, der seine mangelnde Führungskraft offen aussprach, noch als Bewerber um das höchste Amt im Staat: Er wolle gar nicht Leitwolf sein.</p>
<p>So zum selbsterklärten Schoßhündchen mutiert, hob die Kanzlerin ihn ins Amt. Wie geht das? Das Rudel führen zu sollen und nicht Leitwolf sein zu wollen? Was ist das für eine Ansage? Die Meriten hätte ich gern, aber nicht so gern die Verantwortung, ist es das, was er sagt? Grüßaugust aller Deutschen.</p>
<p>Der Kern der Wulffschen Außenpolitik ist, lese ich gerade, dass er seine minderjährige Tochter aus erster Ehe mit auf eine Reise nach Israel nimmt. Erstens riecht das nach Kindesmissbrauch für politische Zwecke. Zweitens: Was ist damit gesagt, außer dass sich diese Patchwork-Zusammenkunft im Schloss Bellevue als Royal Familiy empfindet?</p>
<p>Nun gut, wenn wir nach Homestories urteilen sollen, urteilen wir nach Homestories.  Ich werde sein von fröhlicher Anstrengung gezeichnetes Gesicht, dieses gemeißelte Lächeln und die gleichzeitige körperliche Erleichterung an der Hand seiner (zweiten) Frau, zu der er aufblickt, nicht vergessen, weil er auf dem Bundespresseball  den Eröffnungswalzer hingekriegt hatte. Laut Verfassung ist Wulff der Vortänzer!</p>
<p>Ich lebe in einem Land, in dem man Elite zurecht nicht mehr mit besonderer Klasse verbindet. Magerquark all überall.</p>
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		<title>Vom Versagen der Eliten: Was uns &#8220;Das Amt&#8221; zu sagen hat</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Nov 2010 09:23:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alan Posener</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alan Posener]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Elite]]></category>
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		<description><![CDATA[Wieso gibt es eine solche Aufregung um den Bericht der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des Auswärtigen Amts (AA) in der Nazi-Zeit? Die Antwort lautet zunächst: Einmal mehr entlarvt dieser Bericht jenen Mythos der Bundesrepublik als Lebenslüge, demzufolge die alten Eliten und Institutionen des Reichs trotz der Usurpierung der Macht durch Hitler im Kern „anständig“ blieben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieso gibt es eine solche Aufregung um den Bericht der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des Auswärtigen Amts (AA) in der Nazi-Zeit? Die Antwort lautet zunächst: Einmal mehr entlarvt dieser Bericht jenen Mythos der Bundesrepublik als Lebenslüge, demzufolge die alten Eliten und Institutionen des Reichs trotz der Usurpierung der Macht durch Hitler im Kern „anständig“ blieben – weshalb es ja auch unnötig war, nach dem Krieg jene Institutionen zu zerschlagen und die Eliten auszutauschen, wie es die amerikanischen Besatzer mit der „Re-Education“ zunächst wollten. <span id="more-2097"></span></p>
<p>Es handelt sich um eine Lebenslüge, die in den 1950er und 1960er Jahren als schlichte Wahrheit galt, und gegen die sich die Parole der 68er, „Trau keinem über 30!“ richtete. In letzter Zeit hat niemand diese Lebenslüge eindringlicher formuliert als der deutsche Papst, der in vielem der Gedankenwelt der 1950er und 1960er Jahre verhaftet bleibt, und der ausgerechnet bei seinem Besuch in Auschwitz sagte, er komme „als Sohn des Volkes, über das eine Schar von Verbrechern &#8230; Macht gewonnen hatte, so dass unser zum Instrument ihrer Wut des Zerstörens und des Herrschens gebraucht und missbraucht werden konnte.“ Das deutsche Volk als Missbrauchsopfer – so wollten es die „Funktionseliten“, die unter den Nazis besonders gut funktionierten, der Nachwelt weismachen, und es ist kein Zufall, dass sich der Streit der alten Diplomaten-Elite – der „Mumien“, wie sie sich selber nennen – mit dem 68er Joschka Fischer am Casus „Nachrufe“ entzündete.</p>
<p>Der jetzt vorliegende Bericht zum AA redet von einer „Selbstgleichschaltung“ des Amts. Zur Begründung verweisen die Historiker darauf, dass viele der Ziele Hitlers – vor allem die „Revision“ von Versailles – von den Diplomaten des AA geteilt wurden, die sich überdies in ihrer Geringschätzung der Demokratie und – vor allem – in ihrem eingefleischten Antisemitismus ideologisch mit Hitler einig wussten. Nach dem verlorenen Krieg bildete der Antikommunismus, zunächst zum „Antitotalitarismus“ erweitert und später um die bewusst missverstandene Parole von der angeblichen „Banalität des Bösen“ ergänzt, jene deutsche Leitkultur, die dem Amt die persönliche Kontinuität beim Übergang von einem System ins andere ermöglichte. (In der DDR waren es der Antiamerikanismus und der Antizionismus. Dass es nicht nur im Westen ideologische, kulturelle und persönliche Kontinuitäten gab, und dass die schuldbeladenen Eliten auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs zu Profiteuren des Kalten Kriegs wurden, problematisiere ich hier nicht weiter, setze ich aber als bekannt voraus.)</p>
<p>Warum aber erregt der Verweis auf diese lange zurückliegenden historischen Begebenheiten noch die Gemüter? Einen Hinweis gaben die früheren Außenminister Joschka Fischer und Frank-Walter Steinmeier bei der Vorstellung des nunmehr als Buch vorliegenden Berichts am Freitag in der ausverkauften Berliner Kongresshalle. (Ich war mit meinem Freund Joscha Schmierer hingegangen, der in der Auseinandersetzung eine gewisse Rolle spielte. Dazu unten mehr.) Unabhängig voneinander verglichen Steinmeier und Fischer in ihren vorbereiteten Reden „Das Amt“ mit jener anderen Buchsensation dieses Herbstes, Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“. Fischer sprach davon, dass er im AA mit einer „Parallelgesellschaft“ konfrontiert worden sei. Steinmeier sagte in etwa, wer etwas über die Selbstabschaffung einer deutschen Elite erfahren wolle, solle „Das Amt“ lesen.<br />
Tatsächlich liegt die Brisanz des Buches darin, dass es vom fast totalen Versagen einer hoch gebildeten, äußerst kultivierten, privilegierten Kaste handelt, deren Anhänglichkeit an die deutsche Kultur von niemandem bezweifelt werden kann. Auch wenn – wie gesagt – die Tatsache dieses Versagens allgemein als bekannt vorausgesetzt werden kann, erhält die Erinnerung daran gerade jetzt ihre Brisanz dadurch, dass zurzeit ein Buch alle Verkaufsrekorde bricht, in dem ein Mitglied der heutigen republikanischen Elite die These aufstellt, Deutschland schaffe sich ab, weil jene Elite keine Kinder kriege, während sich die da unten – Sozialhilfeempfänger und Zuwanderer – überproportional stark vermehrten; und schuld daran seien im Kern jene multikulturellen und elitefeindlichen Politikansätze, die Rot-Grün mit dem Regierungsantritt 1998 zur Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland erhoben.<br />
Es ist eben kein Zufall, dass Sarrazins Buch nach einer Bankenkrise erscheint, die das Vertrauen in einen Teil der bundesrepublikanischen Elite tief erschütterte; und dass sich der Bundesbanker eugenischer und rassenpolitischer Argumentationen bediente, um der in diesem Zusammenhang geradezu paradox erscheinenden Verteidigung des Elite-Gedankens Nachdruck zu verleihen, erscheint nur logisch. Wer begreift schon wirklich die materiellen und ideellen Ursachen der ökonomischen Krise, die Verantwortlichkeit der einzelnen Akteure, die tatsächlichen Kosten und die möglichen Folgen? Kaum jemand. Demgegenüber erscheint die Demographie von geradezu blendender Klarheit. „Das Amt“ ist demgegenüber eine Eliten-Kritik, wie sie vernichtender kaum ausfallen könnte; es ist – das machten die Auftritte Fischers und Steinmeiers klar – der erste Schuss in einer ideologischen Gegenoffensive, die in spätestens drei Jahren Rot-Grün (oder, wie es jetzt aussieht, Grün-Rot) zurück an die Macht führen soll. Das stelle ich zunächst nur fest, ohne diese Behauptung zu bewerten.</p>
<p>Sehr wohl bewerten will ich die Angriffe, die damals aus dem Amt und heute von einigen Historikern und Publizisten gegen Joscha Schmierer geführt wurden. (Dass ich dabei als Schmierers Freund und als ehemaliger Maoist pro domo rede, darf als bekannt vorausgesetzt werden.) Als exemplarisch mag folgender Absatz aus einer kürzlich erschienenen Besprechung von „Das Amt“ durch den Historiker Christian Hacke gelten:<br />
„Wickert hatte beim &#8220;Aufstand der Mumien&#8221; gegen Fischer dessen umstrittene Rolle in der gewaltbereiten Frankfurter Sponti-Szene kritisiert und auch die Berufung von Hans-Gerhart Schmierer, des ehemaligen Sekretärs des Kommunistischen Bunds Westdeutschland (KBW) durch seinen Freund Fischer in den Planungsstab des Auswärtigen Amtes angeprangert, hatte doch Schmierer einst eine ergebene Grußadresse an den kommunistischen Genossen und kambodschanischen Massenmörder Pol Pot gesandt. Fischers Antwort an Wickert: &#8220;Er könne nicht nachvollziehen, dass man seinem Mitarbeiter Schmierer Opportunismus unterstelle und dessen demokratische Wandlung bestreite&#8221;, zitieren die Verfasser unkritisch. Doch es kommt noch besser: &#8220;Ich bin sicher, dass das Recht, politische Auffassungen grundsätzlich zu ändern, gerade in Ihrer Generation vielfach in Anspruch genommen wurde&#8221;, belehrte Joschka Fischer den Diplomaten. Diese Doppelmoral des Außenministers bedarf keines Kommentars.“<br />
(Den ganzen Artikel findet man hier: http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10539498/Hitlers-willige-Diplomaten.html)</p>
<p>Natürlich liegt hier das Gegenteil von Doppelmoral vor. Was Fischer mit der Änderung der Nachrufpraxis im AA erreichen wollte, war eben ein Ende von Doppelmoral und Heuchelei. Entweder man machte die ganze Karriere jener Diplomaten öffentlich, denen das Amt ein „ehrendes Andenken“ nachtrug, so wie die ideologischen Volten und straßenkämpferischen Eskapaden Fischers und Schmierers (für die Schmierer übrigens auch im Gefängnis gesessen hat) ja immer öffentlich gewesen waren, oder man verzichtete auf jenes „ehrende Andenken“, weil es dann ein Schweigen über die Teilnahme an Verbrechen beinhaltet hätte. Allenfalls könnte man Fischer vorwerfen, dass er in seiner Antwort an den Diplomaten Wickert die Schuld der älteren Generation relativierte. Denn es ist ein Unterschied, ob einer – wie es Schmierer mit seiner übrigens keineswegs „ergebenen“, sondern sozusagen von Gleich zu Gleich gerichteten, also anmaßenden Grußadresse – radikales Maulheldentum praktiziert, oder ob er sich – wie viele Diplomaten, nicht nur im „Judenreferat“ des AA – tatsächlich aktiv an einem Völkermord beteiligt. Niemand unter uns Nachgeborenen weiß, wie er sich damals verhalten hätte. Fischer hat ja in seiner Antwort auch nicht abgestritten, dass sich die „politischen Auffassungen“ der ehemals für Hitler tätigen Diplomaten „grundsätzlich geändert“ hätten. Kurz und gut: Es ging und geht darum, dass die gesamte Biographie bei der Beurteilung einer Persönlichkeit herangezogen wird. Fischer kann man nicht auf den Steinewerfer reduzieren, Schmierer nicht auf den KBW-Sekretär, und den (damals wie heute erheblich weniger bedeutenden) Posener nicht auf den Studentenfunktionär der KPD/AO. Und umgekehrt kann man die Karriere jener Diplomaten, die nach 1945 durchaus verdienstvoll die demokratische Bundesrepublik vertraten, nicht auf jene Episoden reduzieren, die ihnen genehm waren oder sind.<br />
Zu moralischer Überheblichkeit besteht also für uns Jüngere kein Anlass, übrigens auch nicht unter jenen, die damals nicht irgendeiner revolutionären Gruppierung beitraten, sondern lieber der Jungen Union, oder die in einer weniger durchpolitisierten Zeit erwachsen wurden. Wohl aber zur schlichten Feststellung, dass moralisch, strafrechtlich und historisch die Farce von 68 ff. nicht auf einer Stufe steht mit der Tragödie von 1933ff. Das zu verwischen war von Anfang an eines der wichtigsten Anliegen der alten Eliten und der neuen Reaktionäre. „Das Amt“ erinnert uns wieder daran.</p>
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		<title>Der letzte Klassenkampf</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 23:41:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alan Posener</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Kampf um das Gymnasium ist ein Klassenkampf. Ein Kampf derjenigen, die haben, gegen diejenigen, die nicht haben. Ein typisch deutscher Kampf, nämlich ein Kampf um Besitzstandswahrung. So wie die Gewerkschaften die Arbeitsplatzbesitzer gegen diejenigen verteidigen, die keinen Arbeitsplatz haben, so verteidigt der Philologenverband die unverdienten Privilegien der Gymnasiallehrer, so verteidigen bürgerliche Eltern die unverdienten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Kampf um das Gymnasium ist ein  Klassenkampf. Ein Kampf derjenigen, die haben, gegen diejenigen, die nicht haben. Ein typisch  deutscher Kampf, nämlich ein Kampf um Besitzstandswahrung.</p>
<p>So wie die  Gewerkschaften die Arbeitsplatzbesitzer gegen diejenigen verteidigen, die keinen  Arbeitsplatz haben, so verteidigt der Philologenverband die unverdienten Privilegien der Gymnasiallehrer, so verteidigen bürgerliche Eltern die unverdienten  Privilegien ihrer Kinder. Dass dies mit sozialen Phrasen garniert wird, ändert  nichts am Sachverhalt.<span id="more-1729"></span></p>
<p>Um es vorwegzunehmen: ich habe nichts  dagegen, dass Eltern ihre Kinder auf Gymnasien schicken. Das haben meine Frau und ich auch  getan. Ich habe etwas dagegen, dass die Allgemeinheit für diese privilegierte Ausbildung bezahlt. Wir haben unsere Tochter auf eine Privatschule  geschickt, und obwohl ich damals als freier Schriftsteller keineswegs viel Geld  verdiente, war es uns recht, dass eben Fernreisen und ein neues Auto nicht drin  waren. So wie wir dachten übrigens auch viele Eltern, die keineswegs dem  herkömmlichen Bild des Bürgerlichen entsprachen, und so kam unsere Tochter auf ihrer Privatschule mit Leuten zusammen, denen sie auf ihrer städtischen  Grundschule und dem städtischen Gymnasium im bürgerlichen Bezirk Zehlendorf nie  zusammengekommen wäre. Auch das war uns recht. (Sie kam auch mit einer Reihe von Lehrern  und Lehrerinnen zusammen, die ich von meiner kommunistischen Zeit her  kannte. An den städtischen Schulen hatten sie Berufsverbot bekommen, aber die  Evangelische Kirche als Arbeitgeberin war in dieser Hinsicht nicht so streng, wie  übrigens auch die Katholische. Man musste nur getauft sein und fachlich gut. Als  ich 1977 Berufsverbot hatte, bewarb ich mich am Canisius-Kolleg. Dass ich  Kommunist gewesen war, störte die Fratres nicht. Dass ich Anglikaner war  allerdings dann doch. Das sah ich ein.)</p>
<p>Das Bürgertum jammert, wenn ihre Kinder  länger mit anderen Kindern zusammen lernen sollen: das hindere die lernwilligen Kleinen an  der Leistung! Das Bürgertum jammert, wenn das Gymnasium um ein Jahr verkürzt  wird: das bedeute die Unterwerfung der Kindheit unter das Leistungsprinzip!  Jeder Lehrer kennt aus seiner Sprechstunde diesen Widerspruch: die Eltern  drängen so lange auf Leistung und Strenge, bis sich zeigt, dass gerade ihr Kind  nicht damit zurande kommt. Dann schalten sie sofort um und reden dem  Humboldt’schen Bildungsideal und der Persönlichkeitsentwicklung das Wort. An diesem Widerspruch sieht man, worum es dem Bürgertum geht: möglichst früh ihre  Kinder von den Schmuddelkindern trennen und auf eine Schule bringen, wo sie  ohne allzu große Anstrengung die Berechtigung erhalten, sich weitere sechs Jahre  auf Staatskosten ausbilden zu lassen, damit sie Rechtsanwälte, Ärzte, Professoren und so  weiter werden können – oder eben Landtags- und Bundestagsabgeordnete, die weiterhin dafür sorgen, dass die Allgemeinheit das „gegliederte“ Schulwesen, sprich gute Schulen für die da oben, schlechte Schulen für  die da unten, erhält und bezahlt.</p>
<p>Die Gymnasiallehrerverbände jammern, wenn  sie andere Kinder als die bürgerlichen unterrichten sollen. „Die bringen von zuhause  nichts mit.“ Hat doch ein Gymnasiallehrer dafür, dass er die Problemkinder seinen Kollegen und Kolleginnen in den Gesamt- und Hauptschulen  überlässt, ein kleineres Stundendeputat, dafür aber wiederum eine bessere Bezahlung. Würden die Gymnasiallehrer auch das leisten müssen, was Grundschullehrer, Hauptschullehrer, Gesamtschullehrer leisten, man würde sich ja fragen,  warum sie denn dafür besser bezahlt werden.</p>
<p>Es gebe verschiedene Begabungen, heißt es,  darum müsse es verschiedene Schulen geben. Nur, warum es gerade drei verschiedene  Schultypen geben soll, die der wilhelminischen Schichtung der Gesellschaft in  Arbeiter, Angestellte und Akademiker entspricht, das will einem nicht einleuchten.  Manche Leute lernen halt langsamer, heißt es. Sicher. Warum müssen die dann  auch noch kürzer zur Schule gehen? Manche bringen eben von zuhause nichts mit.  Genau. Dann muss doch die Schule möglichst lange für sie sorgen und sie nicht  möglichst schnell  entsorgen. Für manche ist eine Lehre besser, sagt man. Möglich.  Warum will dann kein Land unser „duales System“ nachahmen? Und warum werden dann die besten Lehrstellen mit Abiturienten besetzt?</p>
<p>Die Einheitsschule sei ein sozialistisches Gleichmacherprogramm, heißt es. Ach ja? In einer bürgerlichen Demokratie  wie den USA gibt es seit jeher eine High School für alle, und da rufen nicht  alle Privilegierten, das sei Sozialismus. Wer partout sein Kind auf eine  andere Schule schicken will, bezahlt dafür extra.</p>
<p>Die Gesellschaft brauche eine Elite, heißt  es. Mag sein. Wer das Gymnasium kennt, weiß, dass dort jedenfalls keine Elite ausgebildet  wird. Im Übrigen kennen wir eine Gesellschaft, wo sich die Elite aus besonderen  Schulen selbst rekrutiert: Frankreich. Ist diese unbewegliche, korrupte und eingebildete Führungsschicht ein Vorbild für Deutschland?</p>
<p>Es ist nicht Aufgabe des demokratischen  Staats, die Privilegien der Elite zu erhalten. Das soll die Elite gefälligst selbst tun. Aufgabe  des Staats ist es, diejenigen zu fördern, die eben nicht zur Elite gehören;  immer wieder dafür zu sorgen, dass das Spielfeld begradigt wird, wie die  Engländer sagen, damit die da unten nicht ständig bergauf laufen müssen, wenn sie  gegen die da oben konkurrieren. Nachweislich gelingt diese Begradigung in  Deutschland am schlechtesten von allen vergleichbaren Industrienationen, Frankreich  sogar eingeschlossen. In dieser Hinsicht ist Deutschland noch kein  demokratischer Staat.</p>
<p>Was wir brauchen, ist eine staatlich  garantierte, erstklassige zwölfjährige Ganztagsschule für alle. Was wir brauchen, ist  die Ausschöpfung aller Bildungsreserven. Was wir brauchen, ist die  Erkenntnis, dass wer hier eingewandert ist, wahrscheinlich was auf dem Kasten hat, wenn  auch nicht das, was die saturierte Mittelschicht hier erwartet. Was wir  brauchen, ist die Bezahlung der Lehrer und Lehrerinnen nach Leistung. Und das  heißt, dass gute Grundschullehrerinnen mehr Geld bekommen und weniger Stunden geben  sollten als unfähige, ja selbst als fähige Studienräte. Was wir brauchen, ist  eine Schule, die durchlässig ist für Schüler und Lehrer, so dass der  Gymnasiallehrer begreift, was in der Grundschule gelehrt wird und die Grundschullehrerin  sich weiterbilden muss, um ältere Kids zu unterrichten. Was wir brauchen, ist  viel mehr Privatschulen mit eigenständigen Profilen, ob die nun dem  herkömmlichen „Gymnasium“ entsprechen oder was auch immer. Was wir vor allem brauchen, ist ein  System von Bildungsgutscheinen, die es Unterschichteltern ermöglicht, die beste  Schule für ihr Kind auszusuchen: staatlich oder privat; handwerklich oder  akademisch orientiert, streng oder reformpädagogisch; religiös oder weltlich. Was wir brauchen,  ist Wettbewerb der Schulen untereinander um die besten Schüler – und  Wettbewerb um die Frage, was die „besten“ Schüler sind.</p>
<p>Was wir nicht brauchen, sind  Landeskultusministerien, die alle paar Jahre „ihren“ Schulen ein neues Korsett verpassen. Gebt den Schulen die Freiheit!</p>
<p>Was wir nicht brauchen, ist die Zementierung  von Verhältnissen, die ihrerseits die Ungerechtigkeit zementieren. Gebt den  Kindern eine Chance!</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Wer regiert? Nach dem „Kapitalismus auf Pump“ ist starke Politik gefragt</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Dec 2009 05:28:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Dettling</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar“. Die Zeile aus einem Song von Marius Müller-Westernhagen aus den 80er Jahren gibt einen Stimmungstrend wider, der fast dreißig Jahre angehalten hat. Zehntausende junge Abiturienten und Akademiker zog es in diesen Jahren in den Finanzsektor. „Aus Geld Geld machen“ war das Lebensziel einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } 		A:link { color: #0000ff } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">„Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar“. Die Zeile aus einem Song von Marius Müller-Westernhagen aus den 80er Jahren gibt einen Stimmungstrend wider, der fast dreißig Jahre angehalten hat. Zehntausende junge Abiturienten und Akademiker zog es in diesen Jahren in den Finanzsektor.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">„Aus Geld Geld machen“ war das Lebensziel einer ganzen Epoche, welche der Soziologe Ralf Dahrendorf in einem fulminanten Essay kurz vor seinem Tod in diesem Jahr als „Kapitalismus auf Pump“ beschrieb.<span id="more-677"></span> Seine Parole hieß „Enjoy now, pay later!“ Die Grundannahme dieser Ideologie: Irgendjemand da draußen würde schon die Zeche zahlen. Heute, nach dem Crash vor einem Jahr, wissen wir, dass damit die Verbraucher und Steuerzahler, der durchschnittliche Bürger, gemeint ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Wir haben gelernt, dass Banken „systemisch“ sind. Der Bankrott einer großen Bank reißt Millionen mit in den Abgrund. Essentielle Voraussetzung eines jeden Systems ist jedoch Vertrauen. Auch Banken brauchen ein Klima des Vertrauens. Sonst geben sie keine Kredite. Und genau dies ist heute das Problem. Das Vertrauen zwischen Banken, Unternehmen und Verbrauchern ist grundlegend und nachhaltig gestört. Wer ist in der Lage es wieder herzustellen? Allein die Politik. Nur sie ist in der Lage Mentalitäten nachhaltig zu verändern.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Die grundlegende Frage ist, wie das kurzatmige Denken in Wirtschaft und Gesellschaft wenn nicht gestoppt, so doch wenigstens korrigiert werden kann. Dazu muss sich die Politik zunächst selbst von einem kurzfristigen Denken verabschieden und ein neues Verhältnis zur Zeit entwickeln.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Die „Schuldenbremse“, die ab 2016 in Bund und Ländern die tickende Zeitbombe der Staatsverschuldung in Griff bekommen soll, wird dabei wie ein Katalysator wirken. Vorher jedoch müssen rasche reale und auch symbolische Maßnahmen greifen. Real: Die öffentlichen und privaten Banken müssen an den Folgen ihres Missmanagements beteiligt werden, etwa durch eine solidarische Bankensteuer.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Die Verluste allein den Steuerzahler zu überlassen, verstößt gegen das Verursacherprinzip und zerstört weiter Vertrauen. Symbolisch: Gehälter und Boni-Zahlungen sind „systemisch“ zu begrenzen. Die Zahlung von horrend klingenden Vergütungen kann nicht mehr durch einen Hinweis auf die mögliche Flucht der Banker zur Konkurrenz begründet werden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Die Flucht dieser Elite ist längst im Gange. Der Mainstream gleicht heute einem ihrer Produkte: sie sind zu einem „Derivat“, einem Abbild ihrer selbst geworden. Aus dem Geld, das ihnen nicht gehörte, Geld machen, hinter dem keine realen Werte steckte und das sie selbst zu Superreichen beförderte war das Credo dieses Spekulationskapitalismus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Wenig spricht dafür, dass das Finanzsystem begriffen und Lehren gezogen hat. Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, behauptete erst letzte Woche, ironischerweise auf einer Veranstaltung zum 20. Todestag Alfred Herrhausens, dem früheren Vorstandssprecher der Bank, dass in einer marktwirtschaftlichen Ordnung Renditeziele weder im gesellschaftlichen Konsens noch von der Führung eines Unternehmens festgelegt würden, sondern vom Markt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Das genau ist das Problem. Ist der Staat der Ausfallbürge dieser Ordnung oder steht er nicht vielmehr über ihr als Garant des Gemeinwohls? Sind die Banken das System und der Staat und seine demokratische Ordnung Systemausputzer? Gegen eine solche Denke hilft ein ordentliches Haftungsrecht. Wer irrt und fehlt, muss für die Folgen einstehen oder sich dagegen versichern.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Auf einer Veranstaltung, die kurz vor dem Auftritt von Josef Ackermann stattfand, bekam der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Ovationen von seinem Publikum, darunter viele Banker, für die These, dass die Finanzmarktkrise ein Elitenversagen und die größte Bedrohung des Systems maßlose Banker seien. Einlader und Gastgeber war diesmal die Alfred Herrhausen Gesellschaft selbst.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Ackermann, der auch hier auftrat, erwähnte den sozialverantwortlichen und engagierten Bankmanager, der von RAF-Terroristen ermordet wurde, mit keinem Wort. Abbilder brauchen keine Vorbilder. Derivate keine Demokratien. Brauchen wir solche Banken?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;line-height: 150%">Der Autor leitet den think tank berlinpolis (<span style="color: #0000ff"><span style="text-decoration: underline"><a href="http://www.berlinpolis.de/">www.berlinpolis.de</a></span></span>)</p>
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		<title>Betrug bei der zweitschönsten Nebensache der Welt &#8211; wie Fußball Auftsteigerträume verrät</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 09:02:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michel Friedman</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Michel Friedman]]></category>
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		<description><![CDATA[Schande! Das ist sie wieder, die häßliche Fratze der Gier, der Selbstbereicherung, des Betrugs auf Kosten anderer. Wie die unersättlichen Banker ihre naiven treuen Kunden ausgenutzt haben, sind jetzt Millionen Fans von korrupten Spielern, Schiedsrichtern und organisierten Kriminellen weltweit um die zweitschönste Nebensache der Welt betrogen worden. Fußball. Kinder und Jugendliche in der ganzen Welt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schande! Das ist sie wieder, die häßliche Fratze der Gier, der Selbstbereicherung, des Betrugs auf Kosten anderer. Wie die unersättlichen Banker ihre naiven treuen Kunden ausgenutzt haben, sind jetzt Millionen Fans von korrupten Spielern, Schiedsrichtern und organisierten Kriminellen weltweit um die zweitschönste Nebensache der Welt betrogen worden. Fußball.</p>
<p>Kinder und Jugendliche in der ganzen Welt haben einen Aufsteigertraum. Fußballer zu werden. Vorbild zu sein. Oft ist es für viele die große Chance, von unten nach oben zu kommen. Aber am meisten beeindruckt sie das Können und das Wollen der Sportler. Fairness und Leistung.</p>
<p>Verarscht, kann man da nur schreiben. <span id="more-582"></span>Eine Gesellschaft, in der mehr und mehr Rücksichtslosigkeit, Egoismus, Oberflächlichkeit und Geld als die einzige Währung des Erfolges herauskristallisiert, betrügt. Sie betrügt sich selbst und wird um das wichtigste betrogen, was Menschen haben. Nämlich Wahrhaftigkeit. Und einen Wettbewerb der Besten als Anreiz für die nächsten Generationen.</p>
<p>Vorbilder? Das scheint gestern gewesen zu sein. Die heutigen Vorbilder sind Luftnummern. Gierig und inhaltsentleert. Die Eliten der Gesellschaft auch in der Politik, in der Wirtschaft und nun endgültig im Sport werden ihrer Verantwortung nicht gerecht. Und dann wundern wir uns, wenn Teile unserer Jugend verwahrlosen.</p>
<p>Gerade bei denen, die wenig haben; gerade bei den Jugendlichen, die aufwachsen, ohne dass die Erwachsenen um sich kümmern; gerade bei denen haben Sportler das höchste Ansehen. Wieder einmal ist dieses Ansehen verspielt worden.</p>
<p>Schande!</p>
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