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	<title>starke-meinungen.de &#187; Deutschland</title>
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	<description>zur Bundestagswahl 2009</description>
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		<title>Der deutsche Michel lässt grüßen</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Feb 2011 13:37:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Böhme</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tage des Zorns, Tage des Abgangs – Ungeheuerliches tut sich derzeit in Ägypten und anderswo in der arabischen Welt. Die Menschen gehen auf die Straße, um nach Jahren der Unterdrückung ihre Grundrechte einzufordern: Freiheit, Selbstbestimmung, Mitsprache und wirtschaftliches Auskommen. Sie kämpfen gegen die Obrigkeit und deren brutale, zum Teil gekaufte Parteigänger. Dazu bedarf es Mut. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tage des Zorns, Tage des Abgangs – Ungeheuerliches tut sich derzeit in Ägypten und anderswo in der arabischen Welt. Die Menschen gehen auf die Straße, um nach Jahren der Unterdrückung ihre Grundrechte einzufordern: Freiheit, Selbstbestimmung, Mitsprache und wirtschaftliches Auskommen.</p>
<p>Sie kämpfen gegen die Obrigkeit und deren brutale, zum Teil gekaufte Parteigänger. Dazu bedarf es Mut. Denn wer heute protestiert, kann von Steinen und Kugeln getroffen werden, riskiert also sein Leben. Pulverdampf und Tränengas statt Jasmin. Gerade in Kairo geht es dieser Tage um viel, sehr viel. Vielleicht sogar um alles. Die Stimmung, ja das Wort ist durchaus angebracht, ist revolutionär.<span id="more-2393"></span></p>
<p>So etwas Historisches sollte selbst bei Außenstehenden Herzrasen verursachen. Doch von einem derartigen Überschwang der Gefühle kann in Deutschland keine Rede sein. Klar, wir blicken durchaus mit Sympathie auf die Fernsehbilder und vertiefen uns mal für ein paar Minuten in den Live-Ticker. Das war’s dann aber auch. Hurra-Rufe, Jubelschreie? Nichts davon zu hören! Begeisterung, offen bekundete Solidarität mit dem Aufstand der Ägypter? Zu viel verlangt! Ein bisschen Euphorie? Wo kämen wir da hin!</p>
<p>Nüchternheit gepaart mit Skepsis ist hierzulande Trumpf. 80 Millionen Realpolitiker, die sich mit Verweis auf die Geschichte die Frage stellen, was auf die gegenwärtige Anarchie denn folgen wird. Es scheint, der deutsche Michel lebt. Jede Veränderung gilt ihm als Zockerei auf eine unsichere Zukunft. Lieber arrangiert man sich mit der Obrigkeit. Der womöglich sogar gewaltsame Umsturz ist ihm suspekt, fast ein Graus. Dabei haben die Deutschen im Osten des Landes vor gut 20 Jahren der Freiheit eigenhändig zum Sieg verholfen. Und damals war das Wohlwollen des Auslands durchaus hilfreich auf dem Weg von der DDR zur Demokratie.</p>
<p>Zugegeben, noch ist keineswegs ausgemacht, wohin die politische Reise gerade in Ägypten geht. Wer kann heute schon ausschließen, dass in ein paar Monaten die gut organisierten Muslimbrüder in Kairo die Macht übernehmen und Friedensvereinbarungen aufkündigen? Vielleicht kehrt die Despotie in Form einer islamistischen Theokratie in die arabische Welt zurück. Womöglich versinkt die ohnehin krisenanfällige Region in Chaos und Instabilität. Aber eine schlafmützige Ohne-mich-Haltung wird solche Entwicklung garantiert nicht verhindern. Wir Deutschen und unsere Regierung sollten aufwachen, die Zeichen der Zeit erkennen und versuchen, sie mitzugestalten. Der Westen lobt sich doch so gern für seine demokratischen Errungenschaften. Jetzt ist die Chance da, Entwicklungshilfe zu leisten. Wir sollten diese historische Möglichkeit auf keinen Fall verpassen, allein um der Glaubwürdigkeit willen.</p>
<p>Und wenn uns dafür der Mut fehlt, wenn uns Vorsicht angebrachter erscheint als tatkräftige Solidarität, dann muss wenigstens den Demonstranten auf den Straßen von Kairo, Amman und Sanaa fest die Daumen gedrückt werden. Damit aus den Tagen des Zorns und des Abgangs Tage der Freiheit werden.</p>
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		<title>Mittelmacht in der Pflicht</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Oct 2010 14:55:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Böhme</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Vertrauensbonus]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Deutschland an außenpolitischem Gewicht gewinnen möchte, sollte es bei Miroslav Klose in die Lehre gehen. Der weiß, worauf es ankommt: Man muss für jede Chance dankbar sein und sie nutzen. Beim Spiel Deutschland-Türkei zum Beispiel war Keeper Volkan Demirel so freundlich, den Ball direkt vor die Füße des Bayern-Spielers zu befördern. Und Klose ergriff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p>Wenn Deutschland an außenpolitischem Gewicht gewinnen möchte, sollte es bei Miroslav Klose in die Lehre gehen. Der weiß, worauf es ankommt: Man muss für jede Chance dankbar sein und sie nutzen. Beim Spiel Deutschland-Türkei zum Beispiel war Keeper Volkan Demirel so freundlich, den Ball direkt vor die Füße des Bayern-Spielers zu befördern. Und Klose ergriff die günstige Gelegenheit, um der ihm gestellten Aufgabe &#8211; Tore schießen &#8211; gerecht zu werden.</p>
<p>Das allerdings konnte dem 32-Jährigen überhaupt erst gelingen, weil er sich der besonderen Gunst Jogi Löws erfreut. Denn der Bundestrainer hielt trotz vielfacher Kritik an seinem Stürmer fest und gewährte somit eine Art Vertrauensvorschuss auf künftig zu erbringende Leistungen. Und Klose erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen. Genau das wird jetzt auch von Deutschland als neuem Mitglied des Weltsicherheitsrates erwartet.<span id="more-2050"></span></p>
<p>Gleich im ersten Wahlgang haben die Mitglieder der UN-Vollversammlung die Bundesrepublik für zwei Jahre in dieses höchste völkerrechtliche Gremium gewählt. Ein Ausweis von Respekt und eine Ehre, der sich Berlin nun würdig erweisen muss.</p>
<p>Denn Deutschland verdankt seinen diplomatischen Erfolg nur zum Teil der Tatsache, dass es der drittgrößte Beitragszahler und in Sachen Klimaschutz ein Vorreiter ist. Vielmehr gibt es eine Erwartungshaltung: Deutschland möge doch endlich mal Politik machen. Dazu gehört eben auch, eigene Positionen zu formulieren und, wenn möglich, in konkretes Handeln umzusetzen.</p>
<p>Berlin kann, darf und muss sich mehr zutrauen – auch auf die Gefahr hin, mal anzuecken. Mut tut gut. Wir sind geradezu gefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen.</p>
<p>Das hat nichts mit selbstherrlichem Auftrumpfen zu tun. Dafür umso mehr mit konstruktiver Arbeit beim Lösen von Konflikten, an denen weltweit kein Mangel herrscht. Und es gibt Krisenherde, bei denen gerade Deutschland gefordert ist: der Nahe Osten im Allgemeinen und das Atomprogramm des Iran im Besonderen. Kann man Teheran von seinem hoch gefährlichen Kurs noch abbringen? Was ist mit verschärften Sanktionen? Muss mehr als bisher über militärische Optionen nachgedacht werden? Wie können Israelis und Palästinenser zu weitreichenden Konzessionen gebracht werden? Ist eine Blauhelm-Mission wünschenswert oder gar erforderlich, um Frieden zwischen den verfeindeten Völkern zu schaffen? Und wird sich Deutschland als ehrlicher Makler an einem solchen Einsatz beteiligen?</p>
<p>Fragen über Fragen. Es ist an der Zeit, dass sie von unseren Politikern beantwortet werden. Denn ein Vertrauensbonus kann schnell aufgebracht sein. Den hehren Worten müssen Taten folgen. Wer frei vor dem Tor steht und dann den Ball über die Latte drischt, wird ausgewechselt. Derjenige, der trifft, darf weitermachen. So einfach ist das. Nicht nur im Fußball.</p>
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		<title>Deutschland, deine Vorbilder</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 22:42:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Böhme</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Böhme]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehgesichter]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn die Deutschen heute die Wahl hätten, wäre Günther Jauch morgen Herr im Schloss Bellevue. Ein Fernsehmann als Bundespräsident? Aber ja doch! Denn die Bürger dieses Landes halten ihn für besonders vorbildlich. Und Jauch könnte sich einer sozialistisch anmutenden Fürsprachequote sicher sein: 84 Prozent der Bevölkerung, so hat es das Nachrichtenmagazin Spiegel durch eine Umfrage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn die Deutschen heute die Wahl hätten, wäre Günther Jauch morgen Herr im Schloss Bellevue. Ein Fernsehmann als Bundespräsident? Aber ja doch! Denn die Bürger dieses Landes halten ihn für besonders vorbildlich.</p>
<p>Und Jauch könnte sich einer sozialistisch anmutenden Fürsprachequote sicher sein: 84 Prozent der Bevölkerung, so hat es das Nachrichtenmagazin Spiegel durch eine Umfrage ermittelt, schätzen den 54-jährigen Showmaster über alle Maßen. Da können nur noch zwei andere Herren mithalten. <span id="more-1864"></span>Auf die Frage: &#8220;Wer verkörpert ein Deutschland, wie Sie es sich wünschen?&#8221; antworteten 83 Prozent der Befragten: Helmut Schmidt, seines Zeichens kettenrauchender Altkanzler, der es immerhin schon auf 91 Lebensjahre gebracht hat. Dicht auf den Fersen ist ihm Fußballbundestrainer Joachim Löw (82 Prozent), ein Teamplayer also.</p>
<p>Und was machen die Frauen? Belegen mit 66 Prozent und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen den sechsten Platz. Nun ja, die Emanzipation in den Köpfen scheint doch noch nicht allzu weit fortgeschritten.</p>
<p>Das sind sie, Deutschlands Top-Leitbilder, moralische Instanzen und Autoritäten.</p>
<p>Nach Schwung, Aufbruch und Modernität klingt diese Liste freilich nicht. Eher wirkt das Ergebnis des Rankings etwas kläglich, langweilig und muffig. Wo sind die Jungen, die Wilden, die Frauen, die Quertreiber, die Mutigen, die frischen Denker? Gerade die Intellektuellen, Schriftsteller und Philosophen tun sich offenbar schwer damit, der Deutschen Gunst zu gewinnen. Günter Grass schafft es bei der Frage &#8220;Wer ist eine moralische Instanz für Deutschland?&#8221; gerade mal auf den zehnten Platz, von den Enzensbergers und Habermas&#8217; ganz zu schweigen.</p>
<p>Der Kollege vom Spiegel hat das Ganze schon richtig analysiert: Die Deutschen huldigen der Nüchternheit, der kühlen Sachlichkeit, am besten gepaart mit Fernsehpräsenz. Die Ungestümen, die Hungrigen, die Wagemutigen – sie sind gerade in Krisenzeiten offenkundig nicht gefragt. Das mag viele erleichtern. Es kann einen aber auch mit Fug und Recht ziemlich betrüblich stimmen.</p>
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		<title>Wille und Wahn</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 06:57:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ralf Schuler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war einer der wenigen SPD-Parteitage, auf denen kein neuer Vorsitzender gewählt wurde. Auf der Tagesordnung im Berliner Estrell Center stand wieder einmal das Thema „Generelles Tempolimit auf  Autobahnen“, und ein Genosse aus der Spitze der Bundestagsfraktion erklärte mir unumwunden, wie man sich das vorstellte: „Wenn wir ein Tempolimit von 130 Km/h beschließen, kann man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einer der wenigen SPD-Parteitage, auf  denen kein neuer Vorsitzender gewählt wurde. Auf der Tagesordnung im  Berliner Estrell Center stand wieder einmal das Thema „Generelles  Tempolimit auf  Autobahnen“, und ein Genosse aus der Spitze der  Bundestagsfraktion erklärte mir unumwunden, wie man sich das vorstellte:  „Wenn wir ein Tempolimit von 130 Km/h beschließen, kann man gut und  gerne 150 Km/h fahren und kommt selbst bei einer Kontrolle noch  glimpflich davon. Und 150 ist doch ein guter Schnitt.“</p>
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<p>Die  Deutschen sind ein seltsames Völkchen. 59 Prozent sind nach einer  Umfrage aus dem Jahr 2008 für ein Tempolimit, andere Erhebungen bringen  noch mehr Lieber-Langsam-Fahrer zusammen, nur trifft man sie leider  nicht auf der Autobahn. <span id="more-1843"></span>Auch auf den freigegebenen Abschnitten muss man  schließlich nicht rasen, aber dass mehr als die Hälfte der  Automobilisten mit gemütlichen 130 Km/h unterwegs wären, widerspricht  jeder Empirie. Dass Selbstbetrug und Heuchelei allerdings sogar in die  Gesetzgebung einfließen und die „schmerzlose“ Sanktionsspanne schon mit  eingepreist wird, war denn doch überraschend.</p>
<p>Und weil wir gerade  beim Auto sind: Die Automobil-Industrie habe den Trend zu Elektro- und  Hybrid-Autos verschlafen – darüber sind sich nahezu alle Kommentatoren  einig, die immerhin besser wissen müssen, wie man Modellpolitik macht,  als die Hersteller. Nun hat VW im Jahr 2008 bei den Verkaufszahlen ein  Allzeit-Hoch eingefahren und zwar mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren.  Den Start-Stop-Golf, den es in den neunziger Jahren schon einmal gab,  wollte niemand kaufen. Auch der 3-Liter-Lupo war ein Flop, weil man in  dem guten Winzling kaum seine Wochenend-Einkäufe unterkriegt, bei Ikea  auf verlorenem Posten steht und mit der Familie für den Urlaub einen  Ersatzwagen mieten muss. Noch heute gehört es nicht zum Alltag in  deutschen (und anderen) Autohäusern, dass die Käufer enttäuscht den  Laden verlassen, weil sie kein Elektro-Auto bekommen. Statt dessen steht  man noch immer staunend vor Boliden, die von den Kommentatoren in die  Vergangenheit geschrieben werden. Porsche nutzt die korrekte  Schizophrenie der Deutschen und Europäer dagegen mit ausgemachter  Schlitzohrigkeit aus und bietet einen Cayenne Hybrid an: Ein tatsächlich  sinnloses Gefährt, dass Geländegängigkeit vortäuscht, mit Breitreifen  zum Rasen ausgelegt und wunderbar übermotorisiert ist – aber Hybrid.  Protzen und Spaß mit dem Öko-Siegel.</p>
<p>Dabei ist die  Tempolimit-Debatte lediglich ein eher unbedeutender Schauplatz jener  Seelenwelt, in der scharf zwischen der Vision für das Gemeinwesen der  anderen und dem eigenen Beitrag dazu unterschieden wird. Das gesamte  Brutto-Netto-Wesen in Deutschland gehört beispielsweise dazu: Man  verdient „gut“, bekommt aber deutlich weniger. Straftäter werden zu  harten Strafen verurteilt, von denen jeder weiß, dass sie in der Regel  nach zwei Dritteln der Zeit zu Ende sind. Und auch Steuersätze haben  nichts mit dem Jahresverdienst zu tun, sondern mit dem „zu versteuernden  Einkommen“, dass nach Kräften heruntergerechnet werden kann… Überall  treffen wir auf eine nominelle Wirklichkeit, die nicht die Realität ist.</p>
<p>All  das ist kein Zufall, denn die gespaltene Wahrnehmung gehört in  Deutschland (und nicht nur dort) zum Alltag. 85 Prozent der Deutschen  haben sich im September 2009 laut Infratest dimap für die Einführung  eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns ausgesprochen.  Schließlich soll es allen Menschen gut gehen. Seltsamerweise sprechen  Schätzungen, die den Anteil von Schwarzarbeit am Bruttosozialprodukt bei  rund zwanzig Prozent (etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr) sehen, eher  dafür, dass es eine ganze Reihe Zeitgenossen gibt, die nicht bereit  sind, den Preis für auskömmliche Löhne und soziale Absicherung anderer  zu zahlen. Ein befreundeter Berliner Gartenbauingenieur findet immer  weniger Kunden, die für professionelle Baumfällungen  oder Arbeiten in  Grünanlagen die offiziellen Preise zahlen wollen. Selbst ranghohe  Mitarbeiter des Berliner Senats bestehen auf Schwarzarbeit, wenn es um  den eigenen Garten geht und scheren sich einen feuchten Kehrricht um die  Auskömmlichkeit der Gärtner.</p>
<p>Am schönsten aber war das Beispiel  des rot-roten Berliner Senats, der seine gesamte Korrespondenz an die  günstigere Pin AG vergeben hatte und dann im Bundesrat für den  Mindestlohn der Post bei allen Dienstleistern stimmte. Wir wollen wenig  zahlen, und die Mitarbeiter sollen gut verdienen. Es gehört zu den  großen Missverständnissen unserer Zeit, dass man für Selbstbetrug nicht  zur Verantwortung gezogen werden könne. Die Realität rächt sich in den  meisten Fällen gnadenlos.</p>
<p>Ein ähnliches und hoch brisantes Feld  ist in diesem Zusammenhang die Quoten-Debatte bei Führungsposten. 70  Prozent der jungen Frauen studieren  Sozialwissenschaften/Pädagogik/Psychologie. Bei den Sprach- und  Kulturwissenschaften (65 Prozent) oder Medizin (64 Prozent) sieht es  laut einer Studie der CHE Consult GmbH vom Oktober 2009 nicht viel  anderes aus. Bei den Ingenieurswissenschaften liegen die Männer mit 81  Prozent, bei Mathematik und Wirtschaftswissenschaften mit etwa 60  Prozent vorn. Aber selbstverständlich hält die Mehrheit der Deutschen es  für einen unhaltbaren Zustand, dass nicht die Hälfte der  Vorstandsposten im Maschinenbau oder in der Zementindustrie mit Frauen  besetzt sind. Es ist ein wenig so, als gingen von zehn Sprintern drei  Frauen an den Start, und fünf sollen ankommen.  Nun ließen sich Wunsch  und Wirklichkeit ja annähern, wenn Frauen einfach andere Studienfächer  wählten und dann in den jeweiligen Branchen aufstiegen. Tun sie aber  nicht.</p>
<p>Und so geht es weiter, im Kleinen, wie im Großen: Die  Deutschen waren es, die vor Jahren ordentlich Druck machten, dass es den  Hühnern in Legebatterien besser geht und die Tiere mehr Platz haben.  Heute importiert Deutschland Eier aus Legebatterien, weil die Deutschen  weiter billige Eier kaufen, die man hierzulande nicht mehr produzieren  kann. Die Deutschen wollen möglichst umfassende Dienstleistungen vom  Staat, aber sie wollen keine Steuern zahlen und feilschen mit dem  Finanzamt, dass es knackt. Sie wollen keine Kernkraftwerke, keine  Tagebaue und keine Kohlekraftwerke, Gasgeneratoren stehen unter  Verdacht, Kohlendioxid soll nicht im Boden gelagert werden und außerdem  gründen sie massenhaft Bürgerinitiativen gegen Windräder. Der Strom  kommt schließlich aus der Steckdose.</p>
<p>Ein deutsches Patent ist  dieses Pippi-Langstrumpf-Prinzip – „wir malen uns die Welt, wiede,   wiede, wie sie uns gefällt“ – nun auch wieder nicht. Die Europäische  Union zum Beispiel gibt sich einen Außenminister (damit Henry Kissinger  endlich eine Telefonnummer für Europa bekommt) und einen  Ratspräsidenten, aber natürlich will niemand in der EU, dass Brüssel  wirklich autarke Außenpolitik macht. Ein starker Kontinent, der mit den  Muskeln seiner Mitglieder weltpolitische Hebel ansetzt, wäre eine schöne  Sache, ist aber eine Illusion. Deshalb beschließen die Europäer so, als  sei die Vision Realität und besetzen den Posten mit Catherine Ashton.</p>
<p>Nun  sind Platzhalter-Besetzungen in der Politik nicht ganz ungewöhnlich. So  richtig skurril wird es aber, wenn die Vision Euro nicht funktioniert,  weil sich seine Teilnehmer nicht ans gut gemeinte, straffe Reglement der  Gemeinschaftswährung halten und zur Abhilfe einfach noch eine Vision  oben drauf gepflanzt wird: Eine Art Wirtschaftsregierung soll stärker  Einfluss auf die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik der EU-Länder  nehmen, damit demnächst nicht der nächste Patient  durch ausufernde  Ausgaben in die Schuldenfalle tappt. Dabei dürfte schon jetzt jedem  wachen Beobachter klar sein, dass britische Liberale sich auch in  Zukunft nicht von französischen Etatisten in ihre Haushaltspolitik  hineinreden lassen werden. Und umgekehrt. Natürlich wäre eine  europäische Wirtschaftsregierung richtig und wichtig für den  einheitlichen Währungsraum, nur kann man halt nicht einfach beschließen,  wie die Welt sein soll. Auch wenn es noch so schön wäre.</p>
<p>Leider,  so scheint es, ist aber die Verführung der guten Tat zu stark, um gegen  biederen Realismus anzukommen. Und weil Europa ja im Grunde eine einzige  große Vision ist, muss man sich nicht wundern, dass sich selbst  einfache Wahrheiten mitunter auf den Kopf stellen. Besonders deutlich  wird das in der Debatte um die Aufnahme weiterer Mitglieder. Jeder, der  schon einmal in einer Wohngemeinschaft gelebt hat weiß, dass „die Neuen“  zur Truppe passen müssen. Im Falle Europas gibt es aber immer wieder  Wortmeldungen, die Neuaufnahmen fordern, damit diese Länder an Europa  herangeführt werden. Belohnung vor der Leistung kann funktionieren, muss  es aber nicht. Erstmal rein in die gute Stube, dann werden wir schon  weitersehen.</p>
<p>Beim SPD-Parteitag im Berliner Estrell Center wurde  das Tempolimit damals nicht beschlossen. Der „Auto-Kanzler“ Gerhard  Schröder wusste es zu verhindern. Ein herber Rückschlag für die  Bußgeld-Kalkulation der kommenden Jahre und für all jene, denen es  weniger ums Autofahren, als vielmehr um das tiefsitzende Unbehagen geht,  dass Bürger auf einem kleinen Stück des Wegs einfach machen können, was  sie wollen. Beim nächsten Parteitag wurde dann wieder ein neuer  Vorsitzender gewählt. Ganz schnörkellos und ohne  Visionen.</p>
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</a></p>
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		<title>Von den Engländern lernen heißt siegen lernen!</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 23:50:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Dettling</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Daniel Dettling]]></category>
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		<description><![CDATA[Am Sonntag kommt es zum Klassiker: Deutschland spielt im WM-Achtelfinale gegen England. Wahrscheinlich kommt es auch diesmal wieder zum Elfmeterschießen und sehr wahrscheinlich erweisen sich die „Krauts“ als bessere Schützen. Treffsicherheit würden wir auch gerne der deutschen Politik attestieren. Erinnern Sie sich noch an das jüngst, vor zwei Wochen, von Merkel und Westerwelle verkündete „Sparpaket“? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Sonntag kommt es zum Klassiker: Deutschland spielt im WM-Achtelfinale gegen England. Wahrscheinlich kommt es auch diesmal wieder zum Elfmeterschießen und sehr wahrscheinlich erweisen sich die „Krauts“ als bessere Schützen.</p>
<p>Treffsicherheit würden wir auch gerne der deutschen Politik attestieren. Erinnern Sie sich noch an das jüngst, vor zwei Wochen, von Merkel und Westerwelle verkündete „Sparpaket“? Wie zwei Buchhälter haben Kanzlerin und Vize-Kanzler den „einmaligen Kraftakt“ (Merkel) vorgestellt. „Sozial unausgewogen“ lautete unisono das Urteil der öffentlichen und veröffentlichten Meinung danach. Ganz anders dagegen das Echo auf den Haushaltsplan der neuen britischen Regierung, ebenfalls eine „schwarzgelbe“.<span id="more-1645"></span></p>
<p>Unter den drei Überschriften Verantwortung, Freiheit und Fairness liefert sie einen überzeugenden Begründungszusammenhang für die enormen Zumutungen in den kommenden Jahren.</p>
<p>Die Vernachlässigung der Sprache und Semantik hat Folgen: trotz anziehender Wirtschaft und guten Konjunkturprognosen fällt das Ansehen der Regierungsperformance weiter. So schlecht standen Union und FDP seit 10 Jahren nicht mehr da. Zwar verkündet jetzt auch der Bundesfinanzminister Videobotschaften auf seiner Homepage. Die Inhalte und Botschaften sind aber die bekannten: Wir sparen wegen der Stabilität und Solidität und weil uns „Griechenland“ dazu zwingt. So wenig Begeisterungsfähigkeit war selten. Man sieht einen erfahrenen und parteiübergreifend geschätzten Politiker an seinem Büroschreibtisch Bandwurmsätze referieren. Die Fragen werden zwar eingeblendet, doch wer stellt sie? Ein anonymer Journalist stellvertretend für uns Bürger und Zuschauer? Wir werden es nie erfahren. Nachfragen ist zwecklos.  England, Du hast es besser. Zumindest bis Sonntag.</p>
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		<title>Jogi Löw und sein Fußball-Multikulti in Schwarz-Rot-Gold</title>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 18:38:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Böhme</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie heißen Dennis Aogo, Mesut Özil, Jerome Boateng und Cacau. Sie haben Wurzeln in Nigeria, der Türkei, Ghana und Brasilien. Sie sollen bei der Fußball-WM in Südafrika Tore schießen oder verhindern – für Deutschland. Das hofft zumindest Bundestrainer Jogi Löw und mit ihm Millionen hiesiger Fans. Denn das ist unsere Mannschaft der Nation. Und was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie heißen Dennis Aogo, Mesut Özil, Jerome Boateng und Cacau. Sie haben Wurzeln in Nigeria, der Türkei, Ghana und Brasilien. Sie sollen bei der Fußball-WM in Südafrika Tore schießen oder verhindern – für Deutschland.</p>
<p>Das hofft zumindest Bundestrainer Jogi Löw und mit ihm Millionen hiesiger Fans. Denn das ist unsere Mannschaft der Nation. Und was für eine! Multikulti in Schwarz-Rot-Gold! Wer hätte das vor 30 oder auch noch vor 20 Jahren für möglich gehalten? <span id="more-1380"></span></p>
<p>Doch Deutschland einig Vaterland ist eben nicht mehr eine rein deutsche Angelegenheit. Wir sind ein buntes, abwechslungsreiches Vielvölkergemisch. Und trotz aller nicht zu leugnenden Spannungen – das ist ein Segen.</p>
<p>Jogis Mannen sind ein Spiegelbild dieser gesellschaftlichen Verhältnisse, bei denen es nicht darauf ankommt, woher einer kommt, woran er glaubt oder welche Hautfarbe er hat. Hauptsache, es geht nach vorne, in diesem Fall Richtung gegnerisches Tor. Deutschland an sich ist allerdings noch längst nicht so weit wie seine Fußballer. Immer wieder gibt es Rückfälle in altbackene, antimoderne Zeiten.</p>
<p>Erst vor Kurzem löste ein Vorstoß der neuen niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan heftige Debatten aus. Die türkischstämmige Frau hatte zu Recht darauf hingewiesen, dass Kruzifixe und Kopftücher nichts an staatlichen Schulen zu suchen haben. Ohne Verzug wurde Özkan oberlehrerhaft belehrt, dass ein Kreuz kein beliebiges Schmuckstück sei. Stimmt. Aber die Bundesrepublik ist auch schon lange kein ausschließlich christlich geprägter Staat mehr.</p>
<p>Zwiegespalten, dieses Deutschland im Jahre 2010. Der Welt draußen zeigen wir mit Bundeskickern wie Boateng, Özil und Cacau, wie es um uns gesellschaftlich bestellt ist. Zu Hause wollen wird das jedoch noch nicht wahrhaben. Es wird dringend Zeit, den Fußballern ihre Vorreiterrolle abspenstig zu machen.</p>
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		<title>Wer hat Angst vorm Muselmann?</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 13:42:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gastautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gastautor]]></category>
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		<category><![CDATA[privilegierte Partnerschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Alexander Görlach, Herausgeber und Chefredakteur &#8220;The European&#8221;: Die Türkei kontrolliert über die Ditib und das türkische Religionsministerium Diyanet alle Moscheen ihrer Landsleute in Deutschland. Soll sie jetzt noch türkischsprachige Schulen kontrollieren? Nein. Deswegen wehren sich Spitzenpolitiker von SPD und CDU zu Recht gegen eine entsprechende Forderung aus Ankara. Türkisch als Fremdsprache spielt in Deutschland [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von <strong>Alexander Görlach</strong>, Herausgeber und Chefredakteur <a title="Webseite von &quot;The European&quot;" href="http://www.theeuropean.de/">&#8220;The   European&#8221;</a>:</p>
<p>Die Türkei kontrolliert über die Ditib und das türkische Religionsministerium Diyanet alle Moscheen ihrer Landsleute in Deutschland. Soll sie jetzt noch türkischsprachige Schulen kontrollieren? Nein.</p>
<p>Deswegen wehren sich Spitzenpolitiker von SPD und CDU zu Recht gegen eine entsprechende Forderung aus Ankara. Türkisch als Fremdsprache spielt in Deutschland keine Rolle, und das, obwohl 2,3 Millionen türkisch stämmige Menschen in Deutschland leben. Wer den Deutschen vorwirft, sie haben ein Problem mit der Türkei oder dem Türkischen, der hat damit sicher nicht Unrecht. Das muss offen benannt werden. <span id="more-1167"></span></p>
<p>Wir sehen es bei den Namen der Kinder: Deutsche Eltern vergeben nordische und südeuropäische Namen an ihre Sprösslinge, aber niemals hat ein Kind deutscher Eltern Ali oder Mohamed geheißen.</p>
<p>Das ist die eine Seite der Türkei-Debatte. Die andere ist die Frage nach dem Beitritt der laizistischen Republik zur Gemeinschaft der Europäischen Union. Hier ist – man verzeihe mir den Vergleich, wo es sich doch um ein islamisches Land handelt – die Messe schon längst gesungen: Die Türkei wird, wenn sie die Kopenhagener Kriterien erfüllt, eines Tages Vollmitglied der EU werden. Der Prozess dazu läuft, das Land auf der Grenze zwischen Asien und Europa verändert sich im Rekordtempo, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell.</p>
<p>Die Bundeskanzlerin spricht mit dem Vorschlag der „privilegierten Partnerschaft“ schon lange nicht mehr in Richtung Türkei, sondern nach Deutschland hinein, wo diese Botschaft bei der eigenen Klientel den Eindruck erwecken soll, dass der Beitritt der Türkei nie kommen werde.</p>
<p>Gibt es etwas, was den Beitritt in letzter Sekunde verhindern kann? Ja. Es gibt drei Punkte, aber keinen davon könnten die Beitrittsgegner von außen beeinflussen:</p>
<p>Die Türkei muss sich ihrer Vergangenheit stellen, nicht nur, was den Genozid an den Armeniern betrifft. Aus dem Osmanischen Reich hervorgegangen,  kann sie in der islamischen Welt nicht den Vermittler spielen, den sie uns so gerne anbietet. Aufgrund ihrer Vergangenheit sind die Türken in weiten Teilen der arabisch-islamischen Welt unbeliebt.</p>
<p>Der Nationalismus, der gepaart mit der Behauptung militärischer Dominanz eine gefährliche Melange ergibt, die nie verschmelzen wird können mit dem „Nie wieder Krieg“, das nach dem Ende des verheerenden Zweiten Weltkrieges die Grundlage für den europäischen Werteverbund gestiftet hat.</p>
<p>Der Rassismus, mit dem ethnische und religiöse Minderheiten in der Türkei gegängelt und benachteiligt werden. In Europa gilt Religionsfreiheit, sowohl für den einzelnen als auch für Religionsgemeinschaften. Gerade deshalb und weil in Deutschland Repräsentanten des türkischen Staates die Moscheen bauen, können wir in Sachen Kirchenbau und verfolgte Christen in der Türkei eine starke Meinung gegenüber Ankara vertreten.</p>
<p>Diese drei Punkte sind heikel. In allen dreien bewegt sich die islamisch-demokratische AKP unter Premierminister Erdogan auf die europäischen Maßgaben zu. Langsam zwar, aber sie bewegt sich. Und mit ihr die türkische Gesellschaft.</p>
<p>Wie wird die Türkei in 20 Jahren aussehen, wenn sie endlich beitreten wird, wie die Europäische Union? Das wissen wir nicht. Der Beitritt wird gut für Europa. Er ist so sicher wie das Amen in der Kirche, in scha’allah.</p>
<p>zuerst erschienen in <a title="Webseite von &quot;The European&quot;" href="http://www.theeuropean.de/419-alexander-goerlach/2408-mangel-an-nachwuchs">www.theeuropean.de</a></p>
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		<title>Gemütliche Behäbigkeit statt spätrömischer Dekadenz</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 11:30:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Margaret Heckel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Allensbach]]></category>
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		<category><![CDATA[Tugenden]]></category>

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		<description><![CDATA[914 Seiten hat das Werk des Demoskopie-Institutes Allensbach &#8211; und es listet penibel auf, wie sich die Deutschen selbst einschätzen. Die von Guido Westerwelle befürchtete &#8220;spätrömische Dekadenz&#8221; ist nicht zu finden, wohl aber viel gemütliche Behäbigkeit: Zu Deutschland befragt, fällt den meisten die &#8220;schöne Landschaft, herrliche Natur&#8221; ein, danach &#8220;Qualität, Genauigkeit&#8221; und auf Platz 3 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>914 Seiten hat das Werk des Demoskopie-Institutes Allensbach &#8211; und es listet penibel auf, wie sich die Deutschen selbst einschätzen. Die von Guido Westerwelle befürchtete &#8220;spätrömische Dekadenz&#8221; ist nicht zu finden, wohl aber viel gemütliche Behäbigkeit: Zu Deutschland befragt, fällt den meisten die &#8220;schöne Landschaft, herrliche Natur&#8221; ein, danach &#8220;Qualität, Genauigkeit&#8221; und auf Platz 3 hat es &#8220;gutes Essen und Trinken&#8221; geschafft. Am unteren Ende der Skala findet sich Reformfreudigkeit, Kinderfreundlichkeit sowie niedrige Steuern und Abgaben.</p>
<p>Kurz: Ein solides, aber auch todlangweiliges Land. <span id="more-1046"></span>Da wundert es dann auch kaum mehr, dass die meisten der Befragten finden, dass die besten Zeiten Deutschlands schon vorbei sind. Das ist eine Meinung, die auch bei den so genannten Eliten der Berliner Republik weit verbreitet ist. Ganz besonders schockierend ist, dass sogar etliche Minister der derzeitigen Regierung fernab der Mikrophone diese Ansicht vertreten &#8211; gerade diejenigen also, die eigentlich mit ihrer Politik dafür sorgen sollen, dass es uns allen künftig besser geht.</p>
<p>Wer aber glaubt, die besten Zeiten hinter sich zu haben, wird allenfalls verwalten, nicht aber gestalten. Genau das erleben wir zur Zeit &#8211; und es ist verheerend. Keine Begeisterung, nirgends. Das ist unfassbar angesichts einer Zeit, die dem Einzelnen mehr Gestaltungsmöglichkeiten denn je zuvor einräumt. Das Wissen der Welt ist per Internet auch im kleinsten Kaff der Republik abrufbar, die ganze Welt ist per Billigflieger leicht erreichbar und liegt all denjenigen zu Füßen, die sie erkunden wollen.</p>
<p>Doch offensichtlich scheint kaum jemand mehr hierzulande auf diese Erkundungstour gehen zu wollen. Stattdessen &#8220;herrliche Natur, Essen, Trinken, Genauigkeit&#8221;. Ein echtes deutsches Drama.</p>
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		<title>Flaute bei Westerwave</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 23:01:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bärbel Schäfer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bärbel Schäfer]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[Flaute]]></category>
		<category><![CDATA[Umfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Wähler]]></category>
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		<category><![CDATA[Westerwelle]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Wellenreiter Namens Westerwelle wartet auf besseres Wetter. Gezeiten, in denen er sich von seiner besten Seite präsentieren kann. Aufrecht, stolz, ein Mann gerne und überall am Start. Ein Mann und  sein Wählerauftrag, unser Land zu einem schöneren, profitableren, sicheren Ort zu machen. Er ist eben immer auf der Suche nach neuen Einsatzgebieten. Leider nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Wellenreiter Namens Westerwelle wartet auf besseres Wetter. Gezeiten, in denen er sich von seiner besten Seite präsentieren kann. Aufrecht, stolz, ein Mann gerne und überall am Start. Ein Mann und  sein Wählerauftrag, unser Land zu einem schöneren, profitableren, sicheren Ort zu machen.</p>
<p>Er ist eben immer auf der Suche nach neuen Einsatzgebieten. Leider nicht mehr oft in heimischen Gewässern.  Deutschland, das war gestern für Westerwelle. <span id="more-964"></span><br />
In good old Germany ist jetzt dummerweise immer öfter Flaute, wenn Westerwave mal wieder hier die große Welle reiten will. Mit seinen aktuellen Minuswerten schaut er in die Röhre, anstatt in der Röhre die Welle einer neuen Bewegung der Liberalität zu surfen. Extrem uncool für einen Westerwave. Wasser kommt und geht. Wellen verändern sich.</p>
<p>Nur Guido steht mit seinem Brett unter dem Arm am Strande Deutschlands und versteht den Wähler plötzlich nicht mehr. Bis auf den Wellenkamm hat er es im Herbst 2009 mit 14.9% geschafft und jetzt hat er vergessen wie man sie in heimischen Gewässern reitet, die Ideen und ihre Umsetzungen.</p>
<p>Der Wähler hat Dir die Hand entgegen gehalten, doch Du wolltest dir leider nur selbst auf die Schulter klopfen. Hast  uns Postkarten aus aller Welt in die Mikrofone gesprochen und uns Zuhause dabei ein bisschen vergessen. Der Rest des  blau-gelben Westerwave Teams sind auch nur  ängstliche Trockensurfer. Ohne ihn schaffen sie wenig  bis nichts.</p>
<p>Komm nach Hause, Guido, setze die Steuerreform endlich durch. Es reicht.</p>
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