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	<title>starke-meinungen.de &#187; Canisius-Kolleg</title>
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		<title>Nicht die pädophilen Priester sind das Problem – der deutsche Papst ist das Problem</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 23:01:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alan Posener</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit der tapfere Direktor des Canisius-Kollegs in Berlin die Fälle sexuellen Missbrauchs an seiner Schule publik gemacht hat, erfasst die Welle der Enthüllungen über pädophile Priester endlich auch Deutschland. Man kann davon ausgehen, dass der für Ende des Jahres erwartete Bericht über die Heimerziehung Skandale ganz anderen Ausmaßes zu Tage fördern wird. Es handelt sich, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit der tapfere Direktor des Canisius-Kollegs in Berlin die Fälle sexuellen Missbrauchs an seiner Schule publik gemacht hat, erfasst die Welle der Enthüllungen über pädophile Priester endlich auch Deutschland. Man kann davon ausgehen, dass der für Ende des Jahres erwartete Bericht über die Heimerziehung Skandale ganz anderen Ausmaßes zu Tage fördern wird.</p>
<p>Es handelt sich, das wissen alle, die mit der unappetitlichen Materie je befasst waren, nicht um die Verirrungen einzelner schwarzer Schafe, sondern um ein systemisches Problem jener religiösen Parallelgesellschaft, die sich katholische Kirche nennt, und die nach Ansicht des Jesuitenpaters und Psychotherapeuten Hermann Kügler „die größte transnationale Schwulenorganisation der Welt“ ist.<span id="more-958"></span><!--more-->Nun ist gegen internationale Schwulenorganisationen gar nichts einzuwenden, im Gegenteil. Das Problem ist aber, dass diese Organisation von einem Mann geleitet wird, der den Kampf gegen die Homosexualität zur Lebensaufgabe und damit die Lebenslüge zur Aufgabe jener etwa 20 Prozent der katholischen Priester und Seminaristen gemacht hat, die nach Expertenmeinung als homosexuell zu gelten haben. Da diese Sexualität nicht offen gelebt werden darf, ja verdrängt und beschwiegen werden muss, findet sie eben andere Wege, sich zu äußern. Das wird sich nicht ändern, so lange Benedikt XVI Papst ist.</p>
<p>Dessen Biograph und früherer Schüler Christian Feldmann hat bei Joseph Ratzinger eine „panische Angst vor Schwulen“ ausgemacht. Diese Homophobie äußert sich etwa in der Hysterie, mit der Ratzinger gegen die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren wettert: „Mit dieser Tendenz tritt man aus der gesamten moralischen Geschichte der Menschheit heraus“, erklärte der Chef der Glaubenskongregation am 13. Mai 2005 vor dem italienischen Senat.</p>
<p>Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wollen zwei gleichgeschlechtliche Menschen offen zusammenleben und füreinander sorgen, handelt es sich um ein Heraustreten aus der ganzen moralischen Geschichte der Menschheit; worum aber handelt es sich, wenn ein Priester Kinder und Jugendliche missbraucht, die ihm vertrauen, die ihm als Erzieher oder Beichtvater anvertraut und ausgeliefert sind? Ähnlich starke Worte wie gegen die Homo-Ehe hat man zu diesem Verbrechen vom Heiligen Vater nicht gehört.</p>
<p>Für Benedikt XVI ist nicht die Kirche, sondern die liberale, offene und permissive Gesellschaft unfrei, denn, wie er in einem Briefwechsel mit dem damaligen italienischen Senatspräsidenten 2004 schrieb: „Dass Homosexualität, wie die katholische Kirche lehrt, eine objektive Ordnungsstörung im Aufbau der menschlichen Existenz bedeutet, wird man bald nicht mehr sagen dürfen.“ Nun, aufgeklärte Menschen überlassen die Frage, was eine „objektive Störung“ ist, eher einem Arzt als einem Theologen; aber man muss weder Arzt noch Theologe sein, um zu begreifen, dass Homosexuelle in einer Organisation, die sie einerseits stets in Versuchung führt, ihnen andererseits keine Möglichkeit gibt, offen über ihre Bedürfnisse zu reden oder sie gar auszuleben, eine elende Existenz führen, die früher oder später zu „objektiven Störungen“ ihrer Psyche führen muss.</p>
<p>Wenn die Kirche auch nur einen Bruchteil der Energie, die sie der Diffamierung der Homosexualität gewidmet hat, der Aufklärung in den eigenen Reihen gewidmet hätte, getreu dem Jesuswort, den Balken im eigenen Auge zu suchen, nicht den Splitter im Auge des Bruders, man hätte Tausenden von Missbrauchsopfern ihr Martyrium ersparen können. Das wird mit Benedikt XVI nicht gehen.</p>
<p>Nun mag man einwenden, es sei Sache der Kirche, ihren Mitgliedern vorzuschreiben, wie sie sich sexuell zu verhalten hätten, das gehe sonst niemanden etwas an. Das ist, wie man an den  missbrauchten Kindern in Schulen, Heimen und Beichtstühlen sieht, etwas zu kurz gedacht. Vor allem wird eine solche Nachsicht der unnachsichtigen Härte dieses fürchterlichen Papstes nicht gerecht. Ihm genügt es nicht, den eigenen Funktionären und Gläubigen eine verlogene und weltfremde Sexualmoral zu verordnen, die zu objektiven Störungen im Aufbau ihrer Psyche führt; der deutsche Papst unterstützt überdies jene Staaten, die Homosexuelle als Kriminelle verfolgen.</p>
<p>Auf Initiative der französischen Ratspräsidentschaft brachte die Europäische Union 2008 eine Resolution in die Vereinten Nationen ein, die eine universelle Entkriminalisierung der Homosexualität forderte, die in 77 Ländern der Erde als Verbrechen gilt und in sieben islamischen Ländern sogar mit dem Tod bestraft wird. Gegen die Resolution stimmten nicht nur – wie zu erwarten war – die betroffenen Länder, sondern auch der Vatikan. Sollen doch die Iraner Schwule an Baukränen aufhängen – Hauptsache, sie „fallen nicht aus der gesamten moralischen Geschichte der Menschheit heraus“, indem sie, wie die dekadenten liberalen Länder des Westens, die Schwulenehe legalisieren oder die Meinungsfreiheit von Verklemmten beschneiden, die Homosexualität als „objektive Störung“ beschimpfen wollen.</p>
<p>Wann regt sich endlich massenhafter Widerstand gegen diesen Papst? Ein Kirchensteuerstreik wäre doch das Mindeste, was man von einer katholischen Christenheit erwarten dürfte, die sich etwas darauf einbildet, „werteorientiert“ zu sein, im Gegensatz zu uns wertevergessenen Heiden.</p>
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