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Herrschaft Angst

 Von Susannah Winter:

Es ist ein Kreuz mit der Angst.

Da hat sie uns als evolutionäre Errungenschaft über tausende Jahre das Leben und den Fortbestand ermöglicht, nur um uns heute vor allem ihre hässliche Fratze zu zeigen. Schaut man sich in der Gesellschaft um, fast könnte man Angst vor der Angst bekommen.

Wo es früher galt, dem Raubtier zu entkommen, einer realen, physischen Bedrohung, erlebt eben im akuten Moment der Angst, macht heute vor allem die mögliche, die potenzielle Bedrohung Angst.
Und die lauert überall. Alles ist vorstellbar und so wirkt auch alles bedrohlich.

Das Fahrrad, von dem man fallen könnte: Potenziell gefährlich. Und so wird selbst politisch über Helmpflicht debattiert. Denn wenn der Deutsche Angst hat, braucht es Gesetze. Meist bringen die nicht viel, doch blinder Aktionismus beseitigt, zumindest temporär, die schlimmsten Ängste für eine Weile.

Das Auto: Eine potenzielle Todesfalle. Und so sorgen Gesetze für Sicherheit mit Airbags, vorne, hinten, seitwärts. Tempolimits, Gurtpflicht, Schilderwald hat der kluge Gesetzgeber noch als kleines Bonbon zum Verkehrssicherheitspaket hinzugefügt.

Überhaupt ist selbst das Leben außerhalb des öffentlichen Rahmens ein permanenter Drahtseilakt der tödlich enden kann, wenn man nicht angemessene Vorsorge betreibt:
Leitern, Steckdosen, Gasthermen sind angsteinflößende Gegenstände der Moderne.
Dank Staat sind Gasthermen genormt, werden jährlich inspiziert und Steckdosen sind im Falle größter Ängstlichkeit mit Kindersicherung erhältlich oder wahlweise mit speziellen Blinddeckeln verschließbar.
Für die Leiter hat der Staat noch keine ausreichende Regulierung gefunden, obwohl ich überzeugt bin, dass Notfallpläne, die die Anzahl der Stufen auf zwei begrenzen, bereits in irgendwelchen Schubladen schlummern. Irgendein „tragischer Einzelfall“ wird schon für ausreichend Hysterie im Lande sorgen, um umgehendes politisches Handeln erforderlich zu machen.

Man google einmal „Haushalt gefährlich“ und schon eröffnet sich einem die ganze Bandbreite deutscher Paranoia und Angst.
Da droht „gefährlicher Elektrosmog“ (BILD), lauern (sic) „gefährliche Keime“ (Die Welt), wobei zu viel Hygiene dann auch nicht gut ist, denn „zu viel Hygiene kann schädlich sein“ (T-Online) werden gefährliche Gegenstände endlich, endlich beim Namen genannt in einer Broschüre der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Als ungemein bösartig erweisen sich hier „Wasserkocher und Toaster, Filzstifte, Laserpointer, Lichterketten und Steckdosen“.

Zu nennen sind selbstverständlich auch „Schadstoffe in Putzmitteln“ (WDR), Feinstaub, Spielzeug und Kleidung, Fensterputzen, Lebensmittel, Plastik, Fliegen (Wissen.de), Brotschneidemaschinen (Messer sowieso. Am besten beim Bäcker schneiden lassen), Ventilatoren.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Der moderne Mensch lebt sicherer als je zuvor und ist dabei angstgeplagt wie nie.

Und gerade weil Angst heute allgegenwärtig ist, lohnt sich zu hinterfragen, wann und warum wir Angst empfinden, was dies mit uns tut und wie wir am besten mit Angst umgehen können.

Zuständig für die Angst ist die Amygdala:

„Die Amygdala ist ein Organ aus Nervenzellen mit zwei Hälften, aufgeteilt in kleine Stücke in der Form einer Mandel – daher auch der Name, denn Amygdala heißt auf Deutsch „Mandel“. Zieht man eine Linie zwischen Ohr und Schläfe, liegen die Amygdala-Hälften genau dazwischen… Ein Mensch, der von einem Hund gebissen wird, verknüpft die Erinnerung „Hund gestreichelt“ mit Schmerz. Die Amygdala setzt dann ihren Stempel auf die Erinnerung. Und weil ein Lebe­wesen Schmerz vermeiden will, wird der gebissene Mensch vorerst nur angsterfüllt Hunde streicheln können… (in Fällen von Bedrohung) sendet die Amygdala Botenstoffe – die sogenannten Neurotransmitter – an wichtige Nerven und das Stammhirn, den ältesten Teil des Gehirns. Von dort wird vor allem über Hormone die körperliche Reaktion ausgelöst: Die Augen werden aufgerissen, um besser sehen zu können. Die Atmung wird schneller, um mehr Sauerstoff ins Blut zu bringen. Und die Verdauung wird verlangsamt, um Ressourcen zu sparen. Kurz: Der Körper richtet sich darauf ein, sich zu verteidigen“ (Quelle)

Angst ist also Beiwerk des Überlebensinstinktes, der stärksten menschlichen Triebfeder überhaupt.
Auch ist es wichtig zu wissen, wie wir Angst erlernen. Dies geschieht nicht nur über eigene Erfahrung, sondern auch über die Erfahrungen anderer:

„…Erst im Laufe der Jahre erfahren Kinder, dass etwa Kakteen zu berühren keine gute Idee ist. Dabei muss ein Kind nicht selbst Kakteen anfassen – es genügt, wenn es das schmerzverzerrte Gesicht eines anderen sieht. Das Gleiche gilt für Erwachsene: Wer im Krimi ein furchtverzerrtes Gesicht sieht, ängstigt sich mit. So kann sich die Furcht eines Einzelnen auf Millionen von Menschen übertragen, ohne dass wir selbst in Gefahr wären…“

Gerade weil der Mensch evolutionsbiologisch Angst auch über andere Menschen erlernt, ist in der heutigen Zeit der sozialen Netzwerke und medialen Dauerberieselung also wichtig, bewusst filtern zu lernen, welche Informationen relevant sind und welche als irrelevant verworfen werden können.
Dies ist oft schwerer als es klingt, denn Angst, als eine äußerst ursprüngliche Emotion, ist leicht durch entsprechende Bilder und Nachrichten erzeugt.
Der Prozess, Angst zu hinterfragen und im Zweifel zu verwerfen hingegen ist ein vergleichsweise langwieriger Prozess und erfordert Reflexion ebenso wie das Bemühen um Aufklärung und Vernunft. Auch erfordert sie Basisfähigkeiten in der Quellennutzung.
Zu wissen was ein Impressum ist kann ebenso nützen, wie das Hinterfragen der vorhandenen Quellen.

Hilfreich um Macht und Ohnmacht der Emotion „Angst“ zu verstehen ist hier ein Blick in die Geschichte:

So war Angst zu allen Zeiten ein Mittel der Herrschenden, zu lenken und den eigenen Machterhalt zu gewährleisten.
Die Kirche etwa erhob das Erzeugen von Angst zur Kunstform.
Wer nicht blinden Gehorsam leistete, dem drohte die Hölle, ewige Verdammnis, das Fegefeuer.
Den Menschen, die ihr Leben nicht von derartigen Jenseitsvorstellungen manipuliert sehen wollten, wurde weltlicher gedroht.
Die Bannbulle, also die Exkommunikation, war vor allem im Mittelalter mit der Reichsacht verbunden und führte nicht selten zu wirtschaftlichem und sozialem Ruin.

Als Manipulationsmittel taugt Angst selbstverständlich nur, wenn der Manipulierende, in oben genanntem Falle die Kirche, eine Auflösung der Angst, also Sicherheit, in Aussicht stellt. In damaligen Zeiten war dies z.b. der Ablasshandel, selbstverständlich aber auch die angebliche päpstliche und priesterliche Macht, Sünden im Namen Gottes zu vergeben.

Der Mensch wurde in permanenter Angst und damit auch in permanenter Abhängigkeit gehalten.

Erst das Hinterfragen der Machtverhältnisse, des Wahrheitsgehaltes der kirchlichen Doktrin,
machte es schließlich möglich, diese Ängste in die Welt des Aberglaubens und der ideologischen Verblendung zu verbannen.

Und so waren die Gedanken der Aufklärung wegweisend. Kants Definition gilt bis heute:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude [wage es verständig zu sein]! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Leider ist heute zu beobachten, dass sich das Gros der Gesellschaft allein deshalb schon aufgeklärt fühlt, weil es in der Vergangenheit in ihren Reihen große Aufklärer gegeben hat und sie die Schulpflicht über sich haben ergehen lassen, anstatt Aufklärung als individuelle, persönliche Arbeit an der eigenen Wahrnehmung zu verstehen.
Wie auch die Demokratie, kann die Aufklärung niemandem „gebracht“ werden. Sie ist ein Prozess, geknüpft an Denken, Hinterfragen, kritischer Beobachtung. Sie ist ein Akt der Selbstbefreiung.

(Und sie wird bestenfalls zu Ende gedacht und hinterfragt das eigene Gedankenresultat. Kaum einer, der sich Verschwörungsvideos auf You Tube ansieht, ist ein aufgeklärter Mensch. Und wenn er noch so sehr glaubt, einer zu sein. Sonst sähe er jedes Video ebenfalls als potenzielle Manipulation und subjektive Darstellung. Dies gilt in gleichem Maße für faktenresistente Impfgegner, HIV-Leugner und andere Paranoiker)

Dass wir Angst auch über unsere Mitmenschen erlernen ist einer der Gründe, warum Angst derart um sich greift.
Während wir früher in kleinen Dörfern und Städten gelebt haben, oft nur von wenigen Menschen umgeben, ist heute die ganze Welt vernetzt.
Und so hören wir von Haiattacken vor Kalifornien, von Angriffen durch Hunde in einer Stadt am anderen Ende des Landes.
Und da selektive Berichterstattung ein medien- und presseimmanentes Problem ist, also nur über das berichtet wird, was selten geschieht, ab der Norm passiert, Unglück oder Katastrophe ist, kann es dem Menschen, der nicht die Frage nach der Allgemeingültigkeit eines Berichtes stellt, so vorkommen, als gäbe es fast nur beißende Kampfhunde, als sei jede Autofahrt ein Risiko…

…Und wie dieser Tage in Sachen „Meinung und Angst“ üblich, jeder Flüchtling ein potenzieller islamistischer Terrorist oder mindestens eine Gefährdung für Kultur und Abendland.

Sie werden keine Berichte darüber finden, dass das tausendste Gassi gehen mit Hasso, der zudem noch ein Staffordshire Bullterrier ist, komplett ereignislos war und Hasso irgendwann in hohem Alter sanft entschlummerte.
Sie werden auch nicht lesen, dass Herr Müller 50 Jahre unfallfrei durch den Verkehr kam  und nun schließlich aufgrund einer altersbedingten Sehschwäche nicht mehr fahren kann.

Ebenso wenig begegnen Ihnen die unzähligen Migranten und ehemaligen Flüchtlinge, die hierzulande still und leise arbeiten oder gearbeitet haben, nie mit dem Gesetz in Konflikt kamen und Religion ungefähr so intensiv betreiben wie es Christen hier seit Jahrzehnten tun, wenn einmal im Jahr, zu Weihnachten, die Kirche aufgesucht wird.

Verstärkt wird diese Wahrnehmung brennglasartig durch den Hang der Menschen, ihre eigene Meinung und Haltung durch außen bestärkt sehen zu wollen.

So wird, nachdem erst die Angst geweckt ist weil das Lokalblatt in der Woche zuvor von einem Übergriff durch einen Menschen mit Migrationshintergrund berichtet hat, im Internet gesucht und selbstverständlich auch gefunden.
Oder man kennt jemanden, der kennt jemanden der hat mal gehört, dass ein anderer…

Aus der Gier nach Auflage und Klickzahlen einerseits und dem permanenten Bedürfnis, Ängste gleichzeitig bestätigt sowie mit Lösungsvorschlägen gemildert zu sehen andererseits, ist eine unschöne Wechselbeziehung zwischen (Boulevard)-Presse und Lesern geworden.

BILD, das Paradebeispiel für Angst-„Journalismus“, versucht es gar nicht erst subtil.
„Angst“ ist eines der meistgenutzten BILD-Schlagworte um, wie üblich bei der Manipulation durch Angst, regelmäßig „Die Wahrheit“ als Erlösung anzubieten.
Was über Jahrhunderte funktioniert hat, muss heute nicht schlecht sein, denken sich vermutlich die BILD-Redakteure, immer auf die Auflage schielend.
Unsere Natur, auf Basis von Empathie Angst zu erlernen, wird gerade in den Boulevardmedien mit dementsprechenden Fotos gelenkt und verstärkt.
(Auf Angst als Auflagengarant bin ich hier schon näher eingegangen)

Und so ist sie noch immer da, die „selbst verschuldete Unmündigkeit“.
Ihre Triebfeder heute wie damals die Angst.

Dabei lässt der Intellekt des Menschen ihm die Wahl, wie er auf seine eigene Angst reagieren will.
Die Geschichte zeigt die diversen Optionen.
So war in Zeiten ohne Wissenschaft das Gewitter etwas, das Angst machte.
Die Reaktionen eines simplen Gemütes bestanden vor allem aus Furcht und Aberglaube.
Es waren Götter oder ein Gott, die zürnten. Es wurden Rituale entwickelt, die diesen Zorn abwehren oder besänftigen sollten, Erklärungsmodelle ohne logische Basis geschaffen.
Alternativ dazu begannen andere, nach Ursachen und Hintergründen zu forschen um somit das Leben in Angst vor zürnenden Göttern obsolet zu machen.

Gerade die diffusen Ängste, zu denen u.a. soziale Phobien, Verlustängste, Prüfungsängste, Versagensängste, Xenophobie zählen, sind schwerer in den Griff zu bekommen, lassen sie sich doch nicht mit einem simplen, naturwissenschaftlichen Modell widerlegen.
Sie alle beschäftigen sich nicht mit einer konkreten Angst, die situationsbezogen ist, sondern mit dem Möglichen, dem Vorstellbaren.
Ursachen für diffuse Ängste sind z.b. frühkindliche Erfahrungen, Traumata und gelegentlich auch genetische Prädisposition.

Man kann ihnen nur mit Sachlichkeit und Realismus begegnen, mit Fakten, dem Hinterfragen der eigenen Motivation, mit dem Aufspüren der Ursachen. Auch lohnt die Beobachtung des eigenen Nachrichtenkonsumverhaltens.
Ein verhaltenstherapeutischer Ansatz wäre, die Angst als gegeben anzunehmen, den Umgang mit ihr jedoch zu verändern, wenn sie selbst- oder fremdschädigend zu werden droht.
Den Fokus von Einzelfällen, medialer Panikmache, reißerischen Bildern, einseitigen Webseiten weg, gezielt hin zu Texten, die im ersten Moment das eigene Weltbild nicht widerspiegeln, um Voreingenommenheit auszugleichen kann helfen, ein differenzierteres Bild der Situation zu erhalten.
Auch hilft bei diffusen Ängsten oft, die Angstsituation nicht zu vermeiden sondern zu suchen, um so die maßlos gewachsenen Befürchtungen über mögliche Gefahren und Bedrohungen der Realität anzugleichen.
Xenophobe wären also als Helfer in Flüchtlingsheimen weit besser aufgehoben, als auf PI-News, BILD.de, RTL und unter Gesinnungsgenossen.

Ein hehres Anliegen, ich weiß.
Und doch eines, das gerade durch Menschen wie Herrn Strache, Frau Petry und anderen Rechtspopulisten immer dringlicher wird. Aber auch die Konservativen und Sozialdemokraten haben eine konstruktive Politik, die positive Anreize schafft, zugunsten einer Strafmentalität aufgegeben, die Angst machen soll und permanente Drohkulisse schafft.
Sie alle spielen mit dieser Angst, nutzen sie als Manipulations- und Herrschaftsmittel und machen dieses Anliegen dringlicher denn je.

Der Kampf gegen sich selbst, gegen Vorurteile und Ängste ist immer ein wenig mühsamer, als der Kampf gegen das Objekt der Angst.
Doch als Lohn winken Unabhängigkeit, Aufklärung, Freiheit, Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit.

Gestern wie heute erstrebenswerter als das Leben unter der „Herrschaft Angst“.

Susannah Winter wurde 1979 in Hannover geboren. Nachdem sie aufgrund von Depressionen nach dem Erreichen der mittleren Reife auf dem Weg zum Abitur die Schule abbrechen musste, machte sie sich einige Zeit als Sängerin selbstständig. Heute veröffentlicht sie auf mehreren Plattformen vor allem politische Texte, darunter „Fisch + Fleisch“, „Der Lindwurm“ und dem eigenen Blog „Tonfarbe“. Aufgrund der eigenen Lebensgeschichte befasst sie sich dort zudem seit Jahren publizistisch mit der neuen Volkskrankheit Depression.

 

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23 Gedanken zu “Herrschaft Angst;”

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    Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass auch ich viele Regulierungen für unsinnig halte. Feuermelder überall anzubringen beispielsweise, etliche Bau- und Gartenvorschriften von anno Zwieback und wahrscheinlich auch etliche der jungen, vielkritisierten EU-Normen.

    Ich bin auch kein Fan von Normen um der Normen willen. Allerdings bin ich bei der europäischen Einigung nachsichtiger als die meisten, weil hier logischerweise noch viel Klärungsbedarf ist. Sein muss! Das könnte gar nicht anders sein.

    Z.B. ist es so, dass neu entstandene Instanzen (wie europäische Behörden) immer erstmnal übers Ziel hinausschießen und sich wichtig machen. (Das ist immer so, z.B. wenn ein neuer Mitarbeiter in einem Unternehmen erscheint, ist der erstmal übereifrig. Es braucht Zeit, bis der sich beruhigt hat und ein normaler, sinnvoll organisierter Arbeitsalltag entsteht.)

    Hier muss man in jedem Einzelfall darauf hinwirken, dass unsinnige Gesetze abgeschafft werden. Aber Grund zur allgemeinen Klage wegen Freiheitsbeschränkung durch Überregulierung besteht m.E. nicht.

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    @KJN: Die Frage kann ich nicht gut beantworten. Wahrscheinlich wenn Sie auf der Autobahn drängeln. Skifahren wäre auch ein Kandidat, allerdings habe ich gelesen, dass der Skitourismus auch Vorteile für die Almwiesen bietet. (Saftige Wiesen durch geplätteten und künstlich produzierten Schnee. Keine Ahnung ob das stimmt.)

    Wenn man genau hinschaut, sind moralische von volkswirtschaftlichen Erwägungen nicht einfach zu trennen. Denn das Gute stellt sich heute eben oft als klingende Münze dar. Zumindest ist es gut für mich, wenn ich Geld bekomme oder kein Geld bezahle. Das heißt, wenn ich für ein Problem aufkommen muss, das Sie mutwillig verursacht haben (Rauchen, Süßigkeiten fressen, unsinniges Verhalten…), ist das nicht nur volkswirtschaftlich schlecht für mich.

    Trotzdem bin ich nicht der Ansicht, das jeder seinen Kram immer und überall selber bezahlen muss. Das würde die meisten überfordern und die Infrastruktur und den Sozialstaat zerstören.

    Ich will nur sagen, dass man im Kapitalismus die finanziellen Aspekte immer beachten muss, wenn man die Moral betrachten will. Korrumpiert wird der Staat, wenn alles jedem selber überlassen wird – dann ist er irgendwann ganz weg. Insofern der Staat – als Planungsinstanz, Arbeitsteilung, Umverteilungsmaschine und karitative Organisation – eine moralische Instanz ist, wäre das dann unmoralisch.

    Was passiert, wenn der Staat wegfällt, sehen wir hier gerade sehr schön an unserem Flughafen BER. Alle bereichern sich, keiner wird kontrolliert, keiner macht vernünftige Pläne. In erster Linie ist das ein absurder Schildbürgersteich, aber eben auch unmoralisch.

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    @Roland Ziegler. Danke für die Bereitschaft, zu diskutieren:
    „Wenns niemand anderem außer mir schadet, dann darf ich “es” machen.“
    Wann schade ich der Allgemeinheit mehr: Wenn ich mich nicht anschnalle, Ski fahre, Extremsportarten mache oder auf der Autobahn drängle?
    Wenn Gesetzgebung mehr nach volkswirtschaftlichen Erwägungen, als nach moralischen Grundsätzen erfolgt, ist sie m.E. bereits korrumpiert.

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    @KJN: Ich habe eben erst zufällig gesehen, dass Sie was zu mir geschrieben haben, deshalb antworte ich so spät. Ich glaube Ihren Standpunkt zu verstehen, bin aber nicht ganz sicher, ob er nicht seinerseits sehr angstbesetzt ist. Sind Sie nicht ängstlich, dass die Gefahr von Gesetzen wie das zur Anschnallpflicht wirklich so schlimm ist? Dass das der Beginn vom Ende jeder Freiheit ist? Sitzen wir in einem totalitären Knast von Regulierungen, ohne es zu merken?

    Ist das wirklich ,wie Sie sagen, eine „eklatante Gefahr für unsere Freiheit“?

    Oder ist es nicht einfach nur eine Anschnallpflicht, die dazu beiträgt, die Unfälle auf den Straßen etwas zu entschärfen? Und wenn man ihr folgt, bricht dann der Freiheitsstatue ein Zacken aus der Krone?

    Im Grunde stimme ich Susannah Winter zu: Wenns niemand anderem außer mir schadet, dann darf ich „es“ machen.

    Aber so wird es doch eigentlich auch geregelt. So viele problematische Anwendungsfälle dieses Entscheidungskriteriums finde ich gar nicht. Die Anschnallpflicht ist eins, möglicherweise (wobei ich keine Lust habe, die ganzen Schäden, die durch die pubertäre Unlust, sich anzuschnallen nach dem Motto „freie Fahrt für freie Bürger“, entstehen, zu bezahlen). Aber z.B. beim Rauchen ist es ja gerade passend geregelt: Sie dürfen soviel wegquarzen wie ein Schornstein! Und ich zahle sogar Ihren Lungenkrebs! Ist das nicht super? Für Ihre Freiheit zu rauchen! Allerdings: Sie dürfen da nicht rauchen, wo andere das einatmen müssen. (Ich rauche selber ausnahmsweise.) Sie wissen schon: die Freiheit des Einen endet da, wo die des Anderen…Usw.

    Was würden Sie denn gerne tun, das Ihnen momentan durch die Gesetze verwehrt wird? Vermutlich Ihren Schuppen etwas anders bauen, als es das Amt vorschreibt, oder einen Apfelbaum fällen oder sowas. OK, dem stimme ich sofort zu. Das sind ärgerliche Vorschriften, die renoviert gehören.

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    Ich hab erst gedacht, es geht bei dem Artikel um die Angst-Partei „Die Grünen“. Diese Partei hat mit Angstpropaganda sogar die Wahl in Baden-Württemberg gewonnen, als sie das Meeresbeben bei Fukushima angsttechnisch ausgeschlachtet hat, mithilfe der grünen Medienmacher. Früher hat diese grüne Sekte immer Angst vor dem „Waldsterben“ verbreitet, daß es nicht gab, jetzt lassen die Grünen die Wälder abholzen. Seltsam, daß die grüne Angstpartei im Artikel nicht vorkommt, seltsame Autorin.

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    Lieber Roland Ziegler,
    um noch eins drauf zu setzen, ‚benutze‘ ich mal Ihre Aussage

    „Und nun vergleiche man das mit der Anzahl der Toten, die durch terroristische Anschläge in Deutschland ums Leben kommen. Die ist gleich Null. Und trotzdem haben die Leute vor den Terroristen eine fürchterliche Angst, reden über kaum etwas anderes, lesen Artikel noch und nöcher und steigen gleichwohl in ihr Auto. Immerhin schnallen sie sich dabei an, inzwischen; das ist doch gut.“

    ..weil ich sie symptomatisch finde:
    Der Gesetzgeber, der uns z.B. zum Anschnallen zwingt, handelt mehr und mehr aus Gründen der Statistik (-> Expertokratie). Er sollte aber moralisch handeln. Warum? Wie würde es Ihnen ergehen, wenn Sie auf der Straße zusammengeschlagen würden und der Rechtsstaat würde argumentieren, daß Sie sich doch davon gut erholen würden, besser jedenfalls, als von einer Gefäßschädigung durch zu fettes Essen oder Rauchen, wo sich der Rechtsstaat deswegen vordringlich engagieren würde. Also aus statistischen Gründen.
    Eine solche ‚Rechtsstaatliche Regierung‘ hätte nicht lange Bestand, sie würde zurecht abgesetzt, weil sie den Kontakt zu den Regierten, selbst wenn sie gewählt ist, schon längst verloren hätte. Eine solche ‚Rechtsstaatliche Regierung‘ würde Ihre, meine, unsere menschliche Würde missachten, sie würde uns ‚managen‘, wie Legehennen. Es ist nicht nur, wie Susannah Winter Ihnen entgegenhält, daß der Gesetzgeber (er tut es ja bereits umfassend), nicht mehr zwischen Eigenverschulden (-> freier Wille) und Fremdverschulden differenziert, sondern er hat die Position gewechselt: Von einem Schutz-Anwalt des individuellen (!) Bürgers zum Verwalter einer (stets zur ‚Unvernunft‘ neugenden) Masse (!). Ich halte diese Haltung für eine eklatante Gefahr für unsere Freiheit und letzlich eine Haupt-Schwäche des Westens. Durchaus in dem Sinne, wie Sonja Margolina andeutete (Kapitalisierung der Angst, Ersatzreligion). Klar, die Angst (Vorsicht) ist an sich genauso wichtig, wie der Schmerz (wir würden uns sonst selbst verstümmeln), aber sie wird mafiös benutzt. Wir bezahlen Schutzgeld an Versicherungen, an den Staat, die Experten usw. usf. Und da wir Menschen in der Lage sind, empathisch (stellvertretend für die Gefahren anderer) Angst zu empfinden, kann sich das Ganze hysterisch verselbständigen. Und ich meine, das passiert. Und das macht Menschen krank, weil sie nicht mehr Ihre eigenes Leben leben (können). Die Kollateralschäden einer solchen Nanny-Staat-Politik äußern sich vor allem in Realitätsverlust, im Alltag, der Innen- aber auch der Außenpolitik.

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    Werter Parisien,
    Wenn Sie die Angst der Syrer für diffuse Angst und für nicht nicht konkret halten,denn diese Unterscheidung habe ich klar getroffen, dann haben Sie den Artikel und meine Argumentation gar nicht erst verstanden.
    Gilt gleichermaßen für die Juden in Deutschland. Dort gab es lange vor den Deportationen konkrete Gründe zur Angst.

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    Die wahre Gaffe an Ihrem Stück betrifft jedoch die Juden Deutschlands.
    Diejenigen, die rechtzeitig gegangen sind, hatten Angst, Paranoia zum Teil.

    Sie haben überlebt.
    Dank ihrer Angst.

    Das dürfte wohl einer der Gründe sein, warum Steven Spielberg als kleiner Junge Angst hatte. Er nahm die Angst zur Kenntnis und beschäftigte sich mit dem Holocaust. Und nebenbei machte er ein paar Horrorfilme mit Schlangen, T-Rexen und Ungeziefer. Und wenn er sich nicht selbst in ET sah als kleinen Jungen, den „hässlichen kleinen Juden“, dem man vergessen hatte, ins Herz zu schauen, dann fresse ich einen Besen.

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    Ihre schwache Argumentationskette kann man schnell mal umdrehen:
    Wenn denn Angst kein guter Ratgeber ist, sollen
    a) die Syrer in Syrien bleiben und gegen IS und al-Nusra kämmpfen und ihre Frauen und Kinder vorübergehend bei uns abladen;
    b) die Eritreer gegen ihre Diktatur kämpfen,
    c) die Afghanen am Aufbau ihres Staats arbeiten und
    d) die Leute aus Pakistan und vom Balkan die Ärmel hochkrempeln, statt hier auf Taschengeld vom Weihnachtsmann zu hoffen.

    Dann sollen die Syrer selbst gegen IS vorgehen und mal darüber nachdenken, ob es nicht besser unter Assad vor fünf Jahren war. Dann sollen sie ihre eigenen verdammten Füße in boots stecken, diese feigen Männer, die ihre Frauen und Kinder in Aleppo lassen und zuerst kommen, während die Juden in Europa zuerst! ihre Kinder nach Großbritannien oder Palästina schoben. Ganz einfach.

    Von Pferden haben Sie keinen blassen Schimmer. Wildpferde existieren noch, sowohl in Polen, Russland und China als auch in den USA. Wenn es nicht übermäßig viele sind, liegt das am Feind des Tieres, dem sich unkontrolliert ausbreitenden Menschen. Das Pferd, auch das Zebra, ist nicht von Tigern oder Löwen ausgerottet worden. Der Mensch ist sein Feind, und nur der Mensch. Nun ja, vielleicht noch die Giftschlange, aber die ist mit dem Menschen verwandt. Bleiben Sie doch bei Ihrem Leisten: Intellektuelle Dünnbrettbohrerei.

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    @Susannah Winter
    „Ich klicke grundsätzlich keine YouTube-Links.“ – Wie war das nochmal mit der selbstverschuldeten Unmündigkeit? Lesen Sie auch keine Zeitung oder Bücher? Und wenn doch, sind die allein deshalb schon irgendwie seriöser, weil sie in gedruckter Form daherkommen? Sorry, aber diese selbstgewählte Realitätsverweigerung ist weder wissenschaftlich noch aufklärend, sondern das genaue Gegenteil davon. „Youtube-Links“ sind wie Zeitungen oder Bücher – es gibt solche und solche. Das läßt sich aber erst beurteilen, nachdem man ihren Inhalt zur Kenntnis genommen hat. Sie verweigern schon im Voraus die Kenntnisnahme und verabschieden sich damit aus über 2500 Jahren einer europäischen Geistesgeschichte, deren prägendes Merkmal der Zweifel ist. Schärfer kann man die eigene Kultur nicht dementieren.
    Im übrigen sorge ich mich auch weniger um Terroristen oder gar darum, solchen persönlich zum Opfer zu fallen. Es geht mir eher um die Folgen für das Zusammenleben und die Geltung gewisser Regeln in Deutschland und Europa, wenn einige Anschläge erst mal stattgefunden haben.
    Und insbesondere und vor allem geht es mir um die sog. Alltagskriminalität, also Körperverletzung, Raub, Vergewaltigung, etc. Diese ist in und um die sog. Flüchtlingsheime stark angestiegen, wie Sie dem zweiten Link entnehmen können (kein YT-Link, immerhin). Schon erstaunlich: so einen Artikel werden Sie in der deutschen Presse vergeblich suchen, nicht wahr? Und genau das – das Schweigen der „4. Gewalt“, der Konformismus, die Gleichgeschaltetheit der veröffentlichten Meinung – ist das Beunruhigendste an dem, was sich zZt. in Deutschland abspielt. Sie haben nun Ihren Beitrag dazu geleistet und bestimmt gehören Sie zu den Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, daß sie im 3. Reich nie mitgemacht hätten. Eines ist aber auch klar:“An appeaser is one who feeds a crocodile – hoping it will eat him last.“(Churchill)

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    @Roland Ziegler „Ich bin aber anderer Meinung und glaube, dass es nicht aus Angst geschieht, wenn man vom Raucher zum Nichtraucher mutiert, sich im Auto anschnallt, nicht zu schnell rast, sich für die Einhaltung von Abgaswerten einsetzt usw. Sondern ich halte dies für sinnvoll und rational (und bringe ein solches sagen wir: vorsichtiges oder umsichtiges Verhalten auch meinen Kindern bei, versuche es zumindest.)“ Sicher stimmt dies, insofern man es aus freien Stücken tut. Aber es herrscht Anschnallpflicht (da potenziell selbstschädigend), es gibt viele Raser, die nicht freiwillig verzichten, (da potenziell selbst- und fremdschädigend) und die Einhaltung von Abgaswerten kümmert auch nur, wenn das Auto bezahlbar bleibt. Bei allen fremdschädigenden Vorgängen habe ich im Zweifel Verständnis für Gesetzgebung, über potenzielle Selbstschädigung sollte sich das Individuum jedoch selber im Klaren sein und für alles und jeden umgehend Gesetze zu fabrizieren (oft vor dem Hintergrund einer kurzzeitig hysterischen Berichterstattung) ist ein Zeichen von Angst.

    @Sonja Margolina Selbstverständlich wird jede neue Erkenntnis, Idee, wissenschaftliche Entdeckung von diversen Interessengruppen für die eigenen Belange umgedeutet. Die Frage ist, ob und inwieweit man sich manipulieren lässt. „Die Wissenschaft“ veröffentlicht übrigens neueste Erkenntnisse in den meisten Fällen erst mal als eigenständiges Faktum. Sie nannten das Ozonloch: Erst gab es die Erkenntnis über das wachsende Ozonloch. Das an sich war ja noch nichts, was Interessen vertrat. Es war jedoch die Angst, die dann in die Berichterstattung einfloss. Diese mündete in „Was können wir tun, um ein weiteres Wachstum zu verhindern“ schlimmer waren wohl die Weltuntergangsszenarien, die folgten. Das ist dann Angstdebatte. Nur ist auch hier das Individuum in der Pflicht, sich der Debatte zu entziehen und sich persönlich zu fragen, wie man sich der Diskussion sachlich nähern kann.

    Herr Ziegler, Recht haben Sie mit ihrem zweiten Kommentar.
    Bezüglich der Atomenergie stimme ich gerne zu. Aber eine gesunde Risikoabwägung ist mit diffuser Angst kaum zu vergleichen. Der Mensch ist darauf bedacht, Risiken und Nutzen abzuwägen, so er Verstand und nicht ausschließlich Angst entscheiden lässt. Deshalb erst hat man sich ja für Atomstrom entschieden. Es ist doch so, dass wir alle auch nicht gerne im Dunkeln sitzen und Kohlekraftwerke sind auch nicht das gelbe vom Ei. Es war eine temporäre Lösung, wie eben jetzt auch eine temporäre, sicherere Lösung angestrebt wird. Was die Wissenschaft in den nächsten Jahrhunderten an Energiegewinnung möglich machen wird, wird sicher auch die jetzigen Ideen überholen.

    @Parisien Wie ich schon schrieb ist dies eine Frage des Ursprungs der Angst. Übrigens sind die klassischen Wildpferde längst ausgestorben. Geblieben sind vor allem die, von Menschen beschützten und hochgezüchteten Rassen.
    Und Mensch ist kein Pferd und kann in einem Dauerzustand der Angst vor allem kaum gut leben. Was also „manche Situationen“ sind, in denen Angst ein guter Ratgeber ist, entscheidet bestenfalls der Verstand, nicht das Gefühl Angst

    @Astrid Ich klicke grundsätzlich keine YouTube-Links. Da finden Sie übrigens für alles „Beweise“, vom Flugzeug-Hologramm, das erzeugt wurde, um 9/11 zu vertuschen, über „Tatsachen“ über Ufos, Hitlers Weiterleben etc. Also alles fernab von Sachlichkeit und Fakten.
    Ansonsten verweise ich gerne auf Herrn Zieglers Beitrag weiter oben:

    „“1593 Menschen kamen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 bei Verkehrs­unfällen auf deutschen Straßen ums Leben.”
    (Raucherstatistiken und Statistiken zu Haushaltsunfällen erspare ich mir.)
    Und nun vergleiche man das mit der Anzahl der Toten, die durch terroristische Anschläge in Deutschland ums Leben kommen. Die ist gleich Null. Und trotzdem haben die Leute vor den Terroristen eine fürchterliche Angst, reden über kaum etwas anderes, lesen Artikel noch und nöcher und steigen gleichwohl in ihr Auto. Immerhin schnallen sie sich dabei an, inzwischen; das ist doch gut.“

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    Lob der Angst:

    Zugleich aber ist die Angst eine der mächtigsten Triebfedern des Lebens. Sie schärft die Sinne, motiviert, treibt vorwärts, weckt Phantasie, Kreativität und schöpferische Kraft. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard formulierte es so: „Die Angst lähmt nicht nur, sondern enthält die unendliche Möglichkeit des Könnens, die den Motor menschlicher Entwicklung bildet.“
    http://www.spiegel.de/spiegel/.....84597.html

    Eines der ältesten Tiere ist das Pferd. Es ist ein Fluchttier, weil es Angst hat. Es hat überlebt.
    Angst ist in manchen Situationen der beste Ratgeber.
    Lesen Sie Jérôme Kagan.

  13. avatar

    … ooops? Korrektur

    S.W.: ‚Schaut man sich in der Gesellschaft um, fast könnte man Angst vor der Angst bekommen.‘

    … wirklich, werte Fr. S.W., … Stress macht hässlich, … schließlich hat die Frischlufthenne überall Angreifer zu vermuten: Tief fliegende Flugzeuge, Hundegebell, ja sogar Heißluftballone scheuchen die schreckhaften Hühner auf, sagt Solomon. Dazu noch der Sozialstress: Ständig müssen die Vögel um ihren Platz in der Hackordnung kämpfen. Das macht Pickelschalen.

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    …das ist übrigens dasselbe Argument der Kernkraftbefürworter: „Es gibt doch kaum Unfälle, also ist doch alles in Ordnung, warum habt ihr also Angst! Seid lieber so mutig wie wir!“ – Nein, SO stimmt das Argument nicht. Man muss schon vorausschauend sein. Die Atomkraft bedroht im Fall eines relevanten Unfalls nicht nur ein paar Leute im unmittelbaren Umkreis des Unfallorts, sondern das gesamte Land.
    (Die Terroristen in gewisser Weise auch, weshalb man da schon aufpassen muss.)

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    S.W.: ‚Schaut man sich in der Gesellschaft um, fast könnte man Angst vor der Angst bekommen.‘

    … wirklich, werte Fr. S.W., … Stress macht hässlich, … schließlich hat die Frischlufthenne überall Angreifer zu vermuten: Tief fliegende Flugzeuge, Hundegebell, ja sogar Heißluftballone scheuchen die schreckhaften Hühner auf, sagt Solomon. Dazu noch der Sozialstress: Ständig müssen die Vögel um ihren Platz in der Hackordnung kämpfen. Das macht Pickelschalen.

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    „Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern…“
    – Mangel des Verstandes.
    Deutschlands Agonie mit Sachlichkeit und Realismus begegnen? Neuer Realismus also, der die kognitive Dissonanz überwindet (und die diffusen Ängste gleich mit)?
    Sie haben sich viel vorgenommen.

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    „1593 Menschen kamen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 bei Verkehrs­unfällen auf deutschen Straßen ums Leben.“

    https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/TransportVerkehr/Verkehrsunfaelle/Verkehrsunfaelle.html

    (Raucherstatistiken und Statistiken zu Haushaltsunfällen erspare ich mir.)

    Und nun vergleiche man das mit der Anzahl der Toten, die durch terroristische Anschläge in Deutschland ums Leben kommen. Die ist gleich Null. Und trotzdem haben die Leute vor den Terroristen eine fürchterliche Angst, reden über kaum etwas anderes, lesen Artikel noch und nöcher und steigen gleichwohl in ihr Auto. Immerhin schnallen sie sich dabei an, inzwischen; das ist doch gut.

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    Nachdem die Hölle abgeschafft worden war, wurde Angstmachen von zahlreichen Interessengruppen monetarisiert und politisch appropriiert. Z.B. eine globale „Vorsorge“, also eine Politik, die Anhang von Prognosen oder Szenarien eines angeblichen Unheils kostspielige, oft unsinnige Maßnahmen einherleitet wie im Fall des Ozonlochs. Je größer die angebliche Gefahr ist, je mehr Mittel für ihre Abwendung zur Verfügung steht, desto zahlreicher werden Interessengruppen, die kein Interesse daran haben, Ängste in Frage zu stellen. Insofern geht es dabei nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse, die es ermöglichen, Ängste zu zerstreuen. Denn die Wissenschaft ist selsbt von ihrer Politisierung profitiert. Sie ist politisiert und wird immer öfters dafür missbraucht, (Öko)Panik zu erzeugen.

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    Das Rauchen fehlt noch in der Liste (es sei denn, ich habs übersehen).

    Ich bin aber anderer Meinung und glaube, dass es nicht aus Angst geschieht, wenn man vom Raucher zum Nichtraucher mutiert, sich im Auto anschnallt, nicht zu schnell rast, sich für die Einhaltung von Abgaswerten einsetzt usw. Sondern ich halte dies für sinnvoll und rational (und bringe ein solches sagen wir: vorsichtiges oder umsichtiges Verhalten auch meinen Kindern bei, versuche es zumindest.)

    Es gibt unendlich viele Berichte über Gefahrenquellen, Schadstoffen usw. im Alltag. Das stimmt. Das liegt zum einen an den vielen Publizisten, die ja irgendwas zu tun haben wollen (man kann nicht immer fehlgeleitete Außenpolitik kritisieren, was nach wie vor die publizistische Hauptbeschäftigung ist), und zum anderen daran, dass die Leute es eben interessiert, ob das Zeug, was sie essen oder kaufen, ungesund ist oder nicht. Ein solches Interesse ist nicht unbedingt aus Angst geboren. Und die Tatsache, dass das, was heute gesund ist, morgen oft schon durch die nächste Untersuchung ungesund wird, sollte uns nicht dazu verleiten zu glauben, dass es egal ist, was man uns auftischt. Früher war es egal, heute nicht mehr. Das halte ich für einen echten Fortschritt.

    Obwohl: In der Flüchtlingsdebatte stimme ich zu, da wird aus Angst Stimmung und Politik gemacht, bis manche Leute vor lauter Durchblick, klaren Lichtungen, individuellen Reflexionen, eigentümlichen Freiheiten usw. geradezu erblinden und anfangen zu kollern. Das können wir auch in diesem Blog erleben. Dann denke ich, dass die zunehmende Politisierung der Normalverbraucher, wie sie v.a. dank des Internet stattfindet, schon auch große Nachteile hat.

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