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Ich bin ein Wutbürger, holt mich hier raus

Erst wenn alle etwas gesagt haben, ist es auch wirklich gesagt worden. In diesem Sinne muss man wohl den Essay von Hans-Dieter Radecke und Lorenz Teufel (eben: who the fuck …?) gegen die in Deutschland angeblich herrschende Diktatur der politischen Korrektheit verstehen, der kürzlich im „Cicero“ erschien:

 

http://www.cicero.de/salon/politisch-korrekt-die-gleichschritt-gesellschaft/57080

 

Zunächst hielt ich den Text für eine Satire; für den gelungenen Versuch, sagen wir, die die Grundhaltung von Thilo Sarrazin oder der „Achse des Guten“ auf den Begriff zu bringen.  Tatsächlich ist der Text aber ernst gemeint. Weiterlesen

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Tugendterror: Sarrazin und Edathy

Als Thilo Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ einen primitiven Biologismus und eine rassistisch grundierte Eugenik wieder salonfähig machte, wollte ihn die SPD-Führung ausschließen. Das klappte nicht: schnell wurde den SPD-Oberen klar, dass viele Genossen an der Basis so ticken wie der ehemalige Bundesbanker. Das Wir entschied, Sarrazin blieb. Mehr Glück dürfte man im Falle Sebastian Edathy haben. Der ist schon so gut wie draußen. Das Wir will mit solchen Schweinigeleien nichts zu tun haben.

Wie es der Zufall will, warnt  Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch vor dem „neuen Tugendterror“, der angeblich in Deutschland herrsche. Weiterlesen

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Von der Todessehnsucht der Spieler

Von dem spielsüchtigen Ulli H., Wurstfabrikant beim FC Bayern, und anderen Todes-Kranken soll die Rede sein. So sie bei einen Staat im Staat beschäftigt sind, entgehen sie in Deutschland ja der Justiz. Aber nicht dem Urteil der Zeitgenossen. In der Bar des Widder in Zürich treffe ich einen Sebastian, der ein Buch über den unaussprechlichen britischen Investmentbanker Kweku Adoboli geschrieben hat und erzählen will. Dem jungen Mann, er war zur Tatzeit 29 und sein Boss 24 Jahre alt, wurde in England der Prozess gemacht. Wäre er bei Arsenal gewesen, dann vielleicht nicht (die deutsche Krankheit), aber er war nur bei UBS. Der Staatsanwalt bezeichnete ihn als „gambler“, sprich als Zocker oder Spieler. Alle Spieler wollen verlieren, sie sind in Wahrheit von Untergangssehnsucht getrieben.

Die Taten waren zunächst aber eine Ruhmesgeschichte. Weiterlesen

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Matthias Matussek und die Schwulen: Eine Verteidigung

Kürzlich hat Matthias Matussek auf „welt.de“ eine Glosse veröffentlicht:  „Ich bin wohl homophob. Und das ist gut so.“

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article124792188/Ich-bin-wohl-homophob-Und-das-ist-auch-gut-so.html

Das Meinungsstück hat unfassbare 27.600 „Likes“ auf Facebook bekommen, Tendenz steigend. (2.500 gelten schon als bemerkenswert.) Es hat aber auch heftige Diskussionen in der „Welt“-Redaktion ausgelöst. Weiterlesen

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Legale Kinderpornos? Ekelhaft

FKK-Fotos von Kindern, und zwar harmloser Natur, jedenfalls legaler, stehen im Hintergrund der jüngsten Staatskrise. Ein Bundestagsabgeordneter räumt ein, sich Aktbilder von Knaben im Internet besorgt zu haben, über einen Zeitraum von fünf Jahren in erheblichem Umfang. Mit dem Bekanntwerden dieser Tatsache war er politisch erledigt. Und er hat rechtzeitig (vielleicht zu rechtzeitig) die entsprechenden Konsequenzen gezogen. So weit, so gut; oder so schlecht.

Wer eine Vorliebe für Kinderpornos öffentlich einräumt, kann auf Nachsicht der Medien und des Mobs nicht hoffen. Weiterlesen

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Zehn Punkte für Europa

Am 23. Januar nahm ich an einer Debatte teil, die in der Bibliothek des Europäischen Parlaments in Brüssel stattfand. Auf dem Panel saßen außer mir Richard Corbett, Berater des Ratspräsidenten Herman von Rompuy, und Silvana Koch-Mehrin, MdEP. Das Thema der von der Parlamentariergruppe „EU 40“ organisierten Diskussion war „Dream Europe: What to keep and what to cut“.

Zur Vorbereitung – und zur Einstimmung – hatte ich im Vorfeld zehn Punkte – die Zahl ist, zugegeben, etwas willkürlich – aufgestellt. Hier sind si

First: keep the dream – cut the crap. Weiterlesen

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Der PR-Papst, eine echte Marke

Darf man den Stellvertreter Christi mit einem Konsumgut vergleichen, einer banalen Marke? Kann es das geben, Public Relations (PR) im Vatikan? Darf man den Unfehlbaren mit einem Pop-Sänger wie Bob Dylan in einen Topf werfen, indem man ihm dessen Lied von den Zeiten, die sich ändern, als Motto zuschreibt?

Ein Schwefelgeruch umweht diese Fragen. Sie riechen nach Blasphemie. Nun, andere Religionen mögen Bild- und Denkverbote durchsetzen wollen, dieser Papst wirkt so ganz anders als ein engstirniger Inquisitor, der Ungläubige auf’s Schafott schleppen will. Vielleicht wirkt er nicht mal katholisch, jedenfalls nicht so, wie es der einstige Vorsitzende der Glaubenskongregation, genannt Bücherratz, in den roten Schuhen darstellte. Martin Luther hätte ihn gemocht, diesen populistischen Italiener aus Südamerika, der da in Rom wieder Füße wäscht. Er schaut dem Volk auf’s Maul. Weiterlesen

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Die Abenteuer des braven Soldaten Karl

Mein Onkel Karl, nach dem ich benannt wurde – mein voller Name lautet Alan Carl Posener (meine Mutter bestand auf dem „C“) – wurde 1898 in Berlin geboren und starb 1946 in Adelaide, Australien.

1915, mit knapp siebzehn Jahren, meldete sich Karl freiwillig. Mein Vater schreibt in seinen Memoiren, „Heimliche Erinnerungen“ (Siedler 2004), aus denen ich auch im folgenden zitiere: „ Mit dem Gefühl, dass das geliebte Vaterland jede Hand bräuchte, die ein Gewehr halten könnte, war auch der Glaube verbreitet, dass nach dem Sieg das deutsche Volk, wenn es einmal gesehen hätte, wie seine Juden zu den Waffen geeilt waren, endlich vom Antisemitismus geheilt sein würde.“

Es kam bekanntlich anders, und zwar gründlich. Aber ich greife vor. Weiterlesen

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Käseblättchen: Vom Dahinsiechen der Presse in die unendlichen Weiten des Banalen

Der Verleger einer Lokalzeitung im Bayerischen berichtet vor den larmoyanten Redakteuren der Käseblätter der Nation aus seiner Familie. Wenn er seinen Kindern pädagogisch wertvolle Vorträge halte, dann würden diese mit gedehnter Stimme fragen: „Papa, wen interessiert das?“

Deshalb hält er Reichweite für das entscheidende Kriterium von Relevanz. Auflage machen. Clicks erzeugen. Das war der lichtvollste Beitrag auf einem gutbesuchten Kongress zum Lokaljournalismus. Auf Wunsch der steuerfinanzierten Bundeszentrale für politische Bildung hatten sich die Köpfe der Provinzpresse in Bayreuth versammelt, um Wunden zu lecken. Das Zeitungssterben ist unten angekommen. Weiterlesen

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